Ukraine

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ftn|Broken Arrow
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Re: Ukraine

Beitrag von ftn|Broken Arrow » 15.05.2022, 11:42

@Toska. Bezüglich der BTG die an der Ponton Brücke kaputt gegangen sind. Bild

Sind wohl 73 Fahrzeuge zerstört worden. Also 2 BTG´s. Das lustige ist die Russen haben 2 Tage später behauptet es wären Ukrainische Fahrzeuge.

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Roland von Gilead
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Re: Ukraine

Beitrag von Roland von Gilead » 17.05.2022, 14:57

42 Länder sind gegen uns" Ex-Oberst widerspricht Kreml-Propaganda im Staats-TV

Mutig !

https://www.n-tv.de/mediathek/videos/po ... 38002.html
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Re: Ukraine

Beitrag von Toska » 18.05.2022, 04:10

Roland von Gilead hat geschrieben:
15.05.2022, 08:49
Das Mantis montiert auf einem LKW, schiesst Munition die in Zielesnähe explodiert, der beeindruckend.
Das auf dem Boxer montiert, kann ich mir als Ablöse für Gepard in der Tat vorstellen.
Ja, die Munition mit Streuwirkung ist beeindruckend. Gepard konnte das allerdings je nach Munition und Rüststand auch. Mantis ist dennoch eine ganze Ecke moderner - keine Frage. Nur wie gesagt: Obwohl Mantis auf Boxer "besser als nichts" ist: Die werden nicht mit Leos im Gelände mithalten können, weil Radpanzer vs. Kette.
Roland von Gilead hat geschrieben:
15.05.2022, 08:49
Die Bundeswehr sollte tatsächlich eher in moderne Drohnen und Drohnenabwehr investieren, weil ich denke moderne Kriegsführung läuft demnächst wirklich anders ab ...
Ja, auf jeden Fall. Und es ist Kabbes, da wie momentan mit Wiesel mit Stinger drauf anzukommen. Es macht keinen Sinn, mit einer Rakete für mehrere zehntausend Euro auf eine DJB-Drohne aus dem Amazon-Katalog zu ballern. Bei Systemen mit der neueren IRIS-T Rakete sieht die Bilanz noch übler aus. Da ist eine 1.5-2.0 Sekunden-Salve 35mm einfach kostengünstiger und vor allem: Man hat danach noch Kapazität, andere Bedrohungen mit der Restmunition zu verballern. Wenn der Wiesel seine zwei oder vier Stinger verballert hat, guckt der bis zum Aufmunitionieren dumm in die Röhre.
ftn|Broken Arrow hat geschrieben:
15.05.2022, 11:42
@Toska. Bezüglich der BTG die an der Ponton Brücke kaputt gegangen sind. Sind wohl 73 Fahrzeuge zerstört worden. Also 2 BTG´s. Das lustige ist die Russen haben 2 Tage später behauptet es wären Ukrainische Fahrzeuge.
Ja, da hab ich diverse Bilder und deren Auswertung gesehen. Das war recht ordentlich. Und die Russen versuchen echt jeden Propaganda-Trick. Heute kursierte ein Video, in dem ein T-90 einen T-80BVM (mit extra aufgemalter ukrainischen Farben) abschleppt. So nach dem Motto: "Wir erbeuten auch!". Nur: An dem aufgewirbelten Staub konnte man sehen: Das Video der Russen lief rückwärts! Der ukrainische Panzer schleppte den Russen-Panzer ab!

Doppelt peinlich: Die einzigen T-80 der Ukraine sind russische Beutepanzer, da die Ukrainer T-80UD und das Derivat T-84 haben und der ukrainische T-80 war kein "UD", sondern "BVM".
Roland von Gilead hat geschrieben:
17.05.2022, 14:57
42 Länder sind gegen uns" Ex-Oberst widerspricht Kreml-Propaganda im Staats-TV

Mutig !

https://www.n-tv.de/mediathek/videos/po ... 38002.html
Das Video kann ich leider nicht sehen, da NTV Geoblocking macht. Aber es gab da schon einige mutige Auftritte im russischen Fernsehen, wo teilweise die Moderatoren die Aufwiegler mit Propaganda-Sprüchen niedergeschrien haben.

Die Reste der Azov-Brigate im Stahlwerk in Mariupol haben sich heute nach fast drei Monaten den Russen ergeben. Und die Ukraine hat dann die Truppen abgezogen, welche erfolglos versucht hatten, da unten ein Loch aufzumachen. Und obwohl die Azov-Leute laut ausgehandelter Kapitulation im Rahmen eines Gefangenaustauschs wieder in die Ukraine sollten, wurden bei den Russen Stimmen laut, die einzulochen oder abzumurksen. Mal schauen, was da passiert.

Hier mal noch eine prima Twitter-Kette zur Art der Verluste der Russen. Wie weiter oben von mir angesprochen: Logistik (bzw. deren Abwesenheit) ist der weiche Unterbau der Russen. Die Ukrainer scheinen seit einiger Zeit genau das MASSIV auszunutzen und priorisieren die Zerstörung russischer LKWs oder Logistik-Fahrzeugen in einer Art, die offensichtlich ist. Die Russen verlieren fast mehr LKWs, als alle anderen Fahrzeugtypen zusammen.

Apropos Logistik. Hier mal ältere Bilder von russischem Munitions-Handling und deren allgemeiner Zustand. :ziggi:

Angebliche Aussage eines russischen Soldaten in Kramatorsk: "Our main problem is logistics. In the US army, for every 10 tanks, they have 15 supply trucks. Here, with our shitty post-Soviet doctrine, for every 10 tanks we have 3."

Und falls "The Guardian" mit diesem Artikel Recht hat? Russland hat jetzt auch einen GRÖFATZ, denn Putin soll angeblich selbst die Einheiten auf der Karte hin und her zu schubsen. Um so besser für die Ukraine!
Grüße,

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Re: Ukraine

Beitrag von Roland von Gilead » 18.05.2022, 06:30

hier mal die Diskussion auf YT, sonst such mal nach Colonel Mikhail Khodarenok


https://www.youtube.com/watch?v=fs-vmyqmavg
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Re: Ukraine

Beitrag von Herr Rossi » 18.05.2022, 09:23

Gibt übrigens mal wieder neue Zahlen für den April. Russlands Leistungsbilanz explodiert regelrecht. Die generieren gerade Einnahmen wie sie es bisher noch nicht gesehen haben.

https://www.cbr.ru/eng/statistics/macro ... /bop-eval/

January-April 2022:
Current account 95.8
Balance on goods and services 106.5
Balance on primary and secondary income -10.7

Und so sah das Vorjahr aus:

January-April 2021:
Current account 27.5
Balance on goods and services 35.2
Balance on primary and secondary income -7.6

Der Rubel ist zudem mittlerweile einer der am stärksten steigenden Währungen überhaupt. Es bleibt jetzt abzuwarten was sie mit dem generierten Überschuss machen. Der asiatische Markt stände ihnen offen und dort kriegen sie auch alles an Elektronik, was sie selbst nicht produziert bekommen.

Dass unsere Politik nicht viel auf die Reihe kriegt, geschenkt, aber dass sie mit ihren Sanktionen am Ende uns die Zeche zahlen lassen während Russland im Geld schwimmt, ist echt ein neuer Tiefpunkt in Sachen Unfähigkeit... oder ist das gar Absicht?

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Re: Ukraine

Beitrag von Toska » 22.05.2022, 09:41

Herr Rossi hat geschrieben:
18.05.2022, 09:23
Der Rubel ist zudem mittlerweile einer der am stärksten steigenden Währungen überhaupt. Es bleibt jetzt abzuwarten was sie mit dem generierten Überschuss machen. Der asiatische Markt stände ihnen offen und dort kriegen sie auch alles an Elektronik, was sie selbst nicht produziert bekommen.
Kann man den Zahlen trauen? Ich weiß es nicht. Stimmt schon, dass die sicherlich viel Bedarf aus Asien decken können. Aber bei so manchem wird das schwierig. Der Auszug großer Firmen aus Russland ist ja auch beachtlich: McDonalds hat nach 30 Jahren alles dicht gemacht. Renault hat seine Werke in Russland für 'n Appel und Ei verkauft (mit Option auf Rückkauf in acht Jahren) und sind da wohl einer Verstaatlichung vorgekommen. Siemens hat in Russland alles dicht gemacht und ist raus. Was die an Elektro-Kram für die russische Industrie vertickt haben? Von Schaltgeräten über Wechselrichter bis SPS-Steuerungen? Das können die Russen sicherlich zur Not schwarz aus Asien importieren. Aber auf der Software-Seite sieht es dann mau aus, weil der ganze Kram ja heute "nach Hause telefoniert" und zumindest die Design-Applikationen im Office dann nicht mehr gehen, weil Siemens (und auch andere) Russland den Support tot legen. Das betrifft dann auch "schnöde" Software in anderen Industrie-Bereichen: CAD-Software, Programmier- und Planungs-Software für Industrie-Anlagen, Luft- und Raumfahrt und so manches andere. Das sind alles Dinge, die sich ohne viel Mühe und Umstrukturierung von Prozessen nicht von heute auf morgen ersetzen lassen.

Richtig übel wird es dann bei fetteren Sachen wie Turbinen, welche schon seit dem Wegfall der Ukraine schon immer eine Archilles-Ferse der Russen waren. Egal ob für den Schiffsbau oder für Kraftwerke. Die mal eben auf asiatische Hersteller umzustellen ist ein größerer Akt und geht nicht 1:1. Da muss man groß Geld in die Hand nehmen. Obwohl man da die letzten 20 Jahre investiert hat: Große Turbinen bekommen die Russen noch nicht selbst hin.
Herr Rossi hat geschrieben:
18.05.2022, 09:23
Dass unsere Politik nicht viel auf die Reihe kriegt, geschenkt, aber dass sie mit ihren Sanktionen am Ende uns die Zeche zahlen lassen während Russland im Geld schwimmt, ist echt ein neuer Tiefpunkt in Sachen Unfähigkeit... oder ist das gar Absicht?
So viel Torheit kann nur dumme Vassallentreue gegenüber den USA sein. :ziggi:

Auf der militärischen Seite hab ich die Tage nicht so richtig aufgepasst, da hier gerade viel Arbeit anliegt. Daher nur ein paar Schnipsel:

Die Ukraine hat eine (erfolgreiche) Flussüberquerung aus dem sowjetischen Lehrbuch hingelegt. Perfekter geht es an sich nicht.

Und hier ein Thread zu russischen Panzerverlusten und welche Optionen Russland hat, die aus seinen massiven Lagern an Kampfpanzern aufzufüllen. TL;DR: Wenn man Panzer 20, 30, 40 Jahre unter freiem Himmel lagert, die Wartungstrupps keinen Handschlag tun (außer Teile zu klauen um die auf dem Schwarzmarkt zu verticken), dann ist da nicht viel, was sich noch reaktivieren lässt. Und wenn doch: Das ist sowieso alles obsolet. Fazit ist wohl: Selbst mit den 10.000 eingelagerten Panzern im Hintergrund hat Russland dennoch wohl bislang 45% ihrer gesamten NUTZBAREN Panzer verloren. Und Nachproduzieren ist halt auch nicht drin, da man in einigen Bereichen (z.B. bei den Kanonen) Know-How verloren hat und einige Teile auch keine Lieferkette mehr haben und/oder Teile nur noch unter Schwierigkeiten und kleiner Stückzahl gebaut werden können.

Zu den Verlusten muss man sagen, dass die Russen mehr als 1200 Kampfpanzer, 3000 gepanzerte Fahrzeuge, 2100 Logistik-Fahrzeuge und wohl rund 28500 Mann verloren haben. Alleine beim Personal ist das jetzt nach drei Monaten doppelt so viel, wie in 10 Jahren Afghanistan. Die EINZIGEN Nationen, die in kürzerer Zeit noch mehr Kampfpanzer und APCs verloren haben, waren die Ägypter und Syrer während des Yom-Kippur-Krieges.

Nochwas zu der M777 Artillerie, welche die USA in die Ukraine geliefert hat: Bei den gelieferten Geschützen hat man das digitale Zielsystem entfernt, oder ältere Modelle geliefert, die noch keins hatten. Die Ukrainer können damit die Smart-Munition nicht einsetzen. Die hat bis zu 60km Reichweite, ist GPS-Gesteuert und hat eine Genauigkeit von 3m. Interessanterweise hatten die Kanadier auch vier Stück M777 geschickt und die hatten das System. Daher will Kanada nun auch einige der "GPS-Granaten" (M982 "Excalibur") schicken.

Indessen geht das Drama Gepard in die nächste Runde: Im Juni sollen die ersten 10-12 Gepard an die Ukraine geliefert werden. Mit genug Munition für dreieinhalb Minuten Dauerfeuer. Im Prinzip sind das 25 Salven pro Gepard und dann ist da Ende Gelände. Munition aus Brasilien und Katar gibt es auch nicht. Vermutlich selbes Problem: Hersteller ist die Schweiz und die hat Mitsprache-Recht bei Endverbleib.

Die Ukraine hat von Großbritannien Brimstone-Raketen bekommen, welche auch von Werfern am Boden abgefeuert werden können. Die Ukraine hat die Werfer dann auf Pritschenwagen montiert und damit losgelegt. Ein russisches Munitionsdepot haben sie damit schon zerlegt. In Kürze sollen dann auch HIMARS-MLRS aus USA geliefert werden (im Rahmen des 40-Milliarden USD Lend-Lease-Pakets).

Zum Abschluss noch was lustiges: Russischer Journalist Sasha Kots berichtete (live?) von der Front und zeigte eine 2S4 "Tyulpan" (240-mm schwerer Mörser auf Panzer-Chassis), der da im Hintergrund feuerte. Das Ergebnis ist dann hier zu sehen.

Schon dumm, wenn man live oder zeitnah berichtet und ein geschulter Beobachter anhand von im Hintergrund sichtbaren Gebäuden, der Topologie und Landschaft leicht ausmachen kann, wo das ist. :ziggi:
Grüße,

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Re: Ukraine

Beitrag von Herr Rossi » 22.05.2022, 14:36

Toska hat geschrieben:
22.05.2022, 09:41
Kann man den Zahlen trauen? Ich weiß es nicht. Stimmt schon, dass die sicherlich viel Bedarf aus Asien decken können. Aber bei so manchem wird das schwierig. Der Auszug großer Firmen aus Russland ist ja auch beachtlich: McDonalds hat nach 30 Jahren alles dicht gemacht. Renault hat seine Werke in Russland für 'n Appel und Ei verkauft (mit Option auf Rückkauf in acht Jahren) und sind da wohl einer Verstaatlichung vorgekommen. Siemens hat in Russland alles dicht gemacht und ist raus. Was die an Elektro-Kram für die russische Industrie vertickt haben? Von Schaltgeräten über Wechselrichter bis SPS-Steuerungen? Das können die Russen sicherlich zur Not schwarz aus Asien importieren. Aber auf der Software-Seite sieht es dann mau aus, weil der ganze Kram ja heute "nach Hause telefoniert" und zumindest die Design-Applikationen im Office dann nicht mehr gehen, weil Siemens (und auch andere) Russland den Support tot legen. Das betrifft dann auch "schnöde" Software in anderen Industrie-Bereichen: CAD-Software, Programmier- und Planungs-Software für Industrie-Anlagen, Luft- und Raumfahrt und so manches andere. Das sind alles Dinge, die sich ohne viel Mühe und Umstrukturierung von Prozessen nicht von heute auf morgen ersetzen lassen.

Richtig übel wird es dann bei fetteren Sachen wie Turbinen, welche schon seit dem Wegfall der Ukraine schon immer eine Archilles-Ferse der Russen waren. Egal ob für den Schiffsbau oder für Kraftwerke. Die mal eben auf asiatische Hersteller umzustellen ist ein größerer Akt und geht nicht 1:1. Da muss man groß Geld in die Hand nehmen. Obwohl man da die letzten 20 Jahre investiert hat: Große Turbinen bekommen die Russen noch nicht selbst hin.
Ich würde den Zahlen generell nicht zu 100% trauen, allerdings gilt das nicht nur für Russland. Seitdem bei uns die Schattenwirtschaft mit ins BIP genommen wurde, sind auch unsere BIP Angaben jederzeit entsprechend "formbar". Ich würde es daher nur als Größenordnung nehmen. Russland verkauft auf jeden Fall nach wie vor ordentliche Mengen Gas und Öl und das bei deutlich gestiegenen Preisen. Daher ergibt das zusammen mit dem starken Rubel schon ein halbwegs schlüssiges Bild.
Der Versuch Russland über Öl-/Gas Sanktionen zu treffen ist jedenfalls offensichtlich ziemlich nach hinten losgegangen. Wir haben übrigens nicht nur im Osten "Stress" mit Gas und Öl, sondern auch im Süden, denn dort hat sich Spanien gerade mit der Anerkennung der Westsahara als marrokanisches Territorium seinen Gaslieferanten Algerien verprellt. Spanien braucht somit Gas aus anderen Quellen. Das wird ein lustiges hin und her Geschiebe auf dem EU Markt.

Zum Rest: Vieles wird man wohl erst rückblickend sauber beurteilen können. Russland und die russische Wirtschaft lebt seit 2014 mit relevanten Sanktionen. Schon damals gab es danach einen kurzen BIP Einbruch, insgesamt hat man sich aber entsprechend anpassen können. Oder anders: Die haben mittlerweile einen recht guten Erfahrungsschatz mit Sanktionssystemen. Der Rubeldeal bei ihren Gas-/Ölrechnungen war schon ein recht ordentlicher Konter. Kannst du dich noch an deren Übung zur Abschaltung der internationalen Knotenpunkte ihres Internets erinnern? Damals fragte auch ich mich: Was soll das? Aus heutiger Sicht muss man sagen: Gut gespielt, denn nur so kann man effektiv seine Schwachstellen rausfinden. All die Abhängigkeiten bei Software und Onlinediensten, die du oben aufgeführt hast, kann man auf diese Art sehr gut ermitteln, allerdings muss man dafür natürlich auch eine vernünftige Auswertung fahren. Ob sie das getan haben?

Bei Standardelektronik und auch Software sehe ich übrigens wenig Probleme für Russland. Das Zeug ist Massenware und welches Land dafür am Ende den Proxy spielt, ist ziemlich egal. Man sollte auch nicht vergessen, dass keineswegs die ganze Welt Russland sanktioniert, sondern primär der NATO Block. Da bleiben sehr viele Länder übrig.
Bei richtiger Hightech wird es aber wohl dünn werden. Die von dir erwähnten Turbinen kriegt man sicherlich nicht mal eben so über einen Zwischenhändler in einem Proxyland.
Toska hat geschrieben:
22.05.2022, 09:41
Das sind alles Dinge, die sich ohne viel Mühe und Umstrukturierung von Prozessen nicht von heute auf morgen ersetzen lassen.
Da gebe ich dir recht, nur wer ist wohl besser vorbereitet? Die, die darin seit 2014 trainiert sind oder wir, die wir auf allen politischen Ebenen so gut wie kein Fachpersonal mehr haben und Qualifikation praktisch ein Ausschlusskriterium für hohe politische Ämter ist? Ich weiß jedenfalls in welche Seite ich DEUTLICH weniger Vertrauen habe und ich sehe das leider immer wieder nur bestätigt. Allein die Gasnummer ist an Unfähigkeit kaum zu überbieten. Ich meine haben die niemanden, der ihnen mal die Zahlen zusammenstellt und sagt was geht und was nicht geht? Russiches Gas durch LNG zu ersetzen geht NICHT, dafür braucht man sich nur mal die Mengen anzuschauen. Der weltweite LNG Handel und damit auch die zugehörige Frachterflotte ist ein Witz gegenüber dem, was über Pipelines transportiert wird. Und das ist nur die Transportfrage, da fehlt noch die Angebots- und ganz oben natürlich auch die Kosten-/Preisfrage!

Übrigens noch ein Punkt, den ich selbst überhaupt nicht auf dem Schirm hatte: Die ganze Atomtechnik, die im Osten der EU steht, ist oft abhängig von russischer Zulieferung / Expertise. Finnland hat sich dadurch mal eben ein Projekt zerschossen:
https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/ ... 02881.html
Ich weiß nicht mehr wo ich es aufgeschnappt hatte, aber ich meine gelesen zu haben, dass allein 40% des EU Uranimports aus Russland kommt. Also mal angenommen die EU würde jetzt sagen, dass sie voll in die Atomenergie einsteigt, weil dadurch die Abhängigkeiten auf dem Energiemarkt geringer werden. Ja, werden sie das?
Nebenbei sitzen jetzt auch noch die Russen in Mali. Aus Mali holt allerdings Frankreich sein Uran. Frankreich ist übrigens auch so ein Beispiel für Unfähigkeit, denn trotz dessen, dass sie voll in der Atomkraft drin steckenm kriegen die keinen neuen Reaktor gestellt. Dabei zerbröseln ihnen ihre alten Meiler gerade im Dutzend, so dass sie immer wieder kurz vor einem Blackout stehen. Wo du hinschaust: Unfähigkeit ohne Ende und Handlungen, die offenkundig vollkommen an den Realitäten vorbei gehen.

Edit: Habe gerade noch mal zum Thema Uran ein wenig recherchiert. So einfach kriegt man scheinbar keine genauen Zahlen, da z.B. Deutschland primär aus Frankreich und England beliefert wird, diese beiden Länder aber selbst kein Uran abbauen, es also ebenfalls importieren.
Hier ist die Problematik aufgeführt, allerdings mit alten Werten von 2009:

https://www.ippnw.de/commonFiles/pdfs/A ... d_2009.pdf
Undurchschaubar ist aus dem gleichen Grund auch die Rolle Russlands in der Versorgung Deutschlands mit angereichtem Uran. Russland gehört zwar zu den Hauptlieferanten von angereichertem Uran für Europa. Wie viel russisches Uran jedoch an Deutschland weiter verkauft wird, lässt sich nicht ohne weiteres sagen. Ebenso unklar ist, wie viel Uran tatsächlich in Russland angereichert und wie viel dort nur umgeschlagen wurde. Wahrscheinlich sind jedoch zumindest wesentliche Teile des aus Russland in die EU kommenden Urans tatsächlich in russischen Betrieben angereichert worden. Diese Annahme gründet sich auf die massive Anreicherungskapazität des russischen Konzerns Atomenergoprom, der mit 27.000 t SWU im Jahr 2009 über einen Weltmarktanteil von 45% verfügte. Zudem exportiert Russland Kernbrennstoffe, die aus der Abrüstung von Atomwaffen entstehen. Näheres dazu findet sich in Kapitel 6.2. Die Bedeutung Russlands als Zulieferer für Europa ergibt sich bei der Untersuchung der Importe in die Zulieferländer für Deutschland: Frankreich etwa führte im Jahr 2009 1.574 t angereichertes Uran aus Russland ein (ca. 97% der Gesamtimportmenge), die Niederlande 168 t (ca. 80% der Gesamtimportmenge) und roßbritannien 161 t (100% der Gesamtimportmenge). Belgien hat lediglich 300 kg (=0,3 t) angereichertes Uran importiert (Herkunftsland: USA) und folglich nahezu die gesamte Exportmenge für Deutschland aus eigener Produktion aufgebracht."
Dann waren die 40%, die ich irgendwo aufgeschnappt hatte, wahrscheinlich doch eher der Welthandel und nicht EU. Und das Uran für Frankreich kommt aus dem Niger und nicht Mali, allerdings war die Sicherung der Uranlieferungen aus dem Niger wohl ein Hauptgrund für die Truppenpräsenz der Franzosen in Mali.

Edit2: Das hier ist auch interessant:

https://www.neopresse.com/wirtschaft/eu ... g-bekannt/
„Die Europäische Union ist bei der Kernkraft stärker abhängig von Russland, als bisher bekannt. 20 Prozent des in der EU genutzten natürlichen Urans wurden 2020 aus Russland importiert, berichtet der „Spiegel“.

Noch einmal so viel werde aus der Ex-Sowjetrepublik Kasachstan importiert, einem langjährigen Kreml-Verbündeten. Diese Mengen ließen sich wohl noch auf dem Weltmarkt kompensieren – zum Beispiel über Lieferanten aus Kanada, Australien, Südafrika oder dem Niger. Gravierender sei aber, dass Russland auch 26 Prozent des in der EU benötigten angereicherten Urans herstellt. Für sogenannte WWER-Reaktoren sei Russland sogar der einzige Lieferant maßgefertigter sechseckiger Brennstäbe, heißt es in Dokumenten, aus denen das Magazin zitiert.

Insgesamt seien 18 Reaktoren in Europa betroffen. Diese stehen in Finnland, Tschechien, Ungarn, der Slowakei und Bulgarien. Die Abhängigkeit von russischen Brennelementen sei erst kürzlich durch einen Sonderflug deutlich geworden, zitiert das Magazin einen offensichtlich gut informierten Bundestagsabgeordneten: Am 1. März habe eine russische Il-76-Transportmaschine in der Slowakei landen dürfen, um zwei slowakische Atomkraftwerke mit neuen Brennelementen zu beliefern – trotz des EU-Flugverbots für russische Maschinen.“

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Re: Ukraine

Beitrag von Toska » 25.05.2022, 08:51

Herr Rossi hat geschrieben:
22.05.2022, 14:36
Da gebe ich dir recht, nur wer ist wohl besser vorbereitet? Die, die darin seit 2014 trainiert sind oder wir, die wir auf allen politischen Ebenen so gut wie kein Fachpersonal mehr haben und Qualifikation praktisch ein Ausschlusskriterium für hohe politische Ämter ist? Ich weiß jedenfalls in welche Seite ich DEUTLICH weniger Vertrauen habe und ich sehe das leider immer wieder nur bestätigt. Allein die Gasnummer ist an Unfähigkeit kaum zu überbieten. Ich meine haben die niemanden, der ihnen mal die Zahlen zusammenstellt und sagt was geht und was nicht geht? Russiches Gas durch LNG zu ersetzen geht NICHT, dafür braucht man sich nur mal die Mengen anzuschauen. Der weltweite LNG Handel und damit auch die zugehörige Frachterflotte ist ein Witz gegenüber dem, was über Pipelines transportiert wird. Und das ist nur die Transportfrage, da fehlt noch die Angebots- und ganz oben natürlich auch die Kosten-/Preisfrage!
Ja, es wird derzeit wirklich alles mit Ansage und Anlauf verkackt. Und es ist nicht so, dass es keine Experten gibt, die es nicht bereits gesagt haben. Nur auf die hört halt keiner der Entscheider, bzw. bekommen die dann wie im Gesundheitswesen vom SEK morgens um sieben die Haustür "gesprengt", es wird alles beschlagnahmt, was einen Stecker hat und die Konten eingefroren ([url="https://www.youtube.com/watch?v=zrgZNZ20t74]nur ein Beispiel hier[/url]).

Thema Landwirtschaft? Verkackt. Ideologie geht vor.
Stromversorgung? Verkackt. Ideologie geht vor. HALTUNG zeigen! Notfalls bei Kerzenschein.
Elektromobilität? Verkackt. Wer sowieso kein Geld hat, dem nützen 10.000 Euro Zuschuss zum Kauf eines Teslas halt auch nicht. Und mit Handgenerator kann man den in der kommenden Stromkrise halt auch nicht aufladen.
Industriestandort sichern? Voller Erfolg! Zumindest sobald die Begrünung und Renaturierung der bald aufgelassenen Industrieflächen abgeschlossen ist.
Solide Fiskalpolitik? Ach komm, was sind schon 8% (zugegebene!) Inflation! Da geht noch viel mehr!

Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. :ziggi:
Herr Rossi hat geschrieben:
22.05.2022, 14:36
Die ganze Atomtechnik, die im Osten der EU steht, ist oft abhängig von russischer Zulieferung / Expertise. Finnland hat sich dadurch mal eben ein Projekt zerschossen:
https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/ ... 02881.html
Ich weiß nicht mehr wo ich es aufgeschnappt hatte, aber ich meine gelesen zu haben, dass allein 40% des EU Uranimports aus Russland kommt. Also mal angenommen die EU würde jetzt sagen, dass sie voll in die Atomenergie einsteigt, weil dadurch die Abhängigkeiten auf dem Energiemarkt geringer werden. Ja, werden sie das?

Nebenbei sitzen jetzt auch noch die Russen in Mali. Aus Mali holt allerdings Frankreich sein Uran. Frankreich ist übrigens auch so ein Beispiel für Unfähigkeit, denn trotz dessen, dass sie voll in der Atomkraft drin steckenm kriegen die keinen neuen Reaktor gestellt. Dabei zerbröseln ihnen ihre alten Meiler gerade im Dutzend, so dass sie immer wieder kurz vor einem Blackout stehen. Wo du hinschaust: Unfähigkeit ohne Ende und Handlungen, die offenkundig vollkommen an den Realitäten vorbei gehen.
Die Finnen holen sich gerade ein Konsortium aus USA und Japan an Bord, um den Atom-Karren aus dem Dreck zu ziehen. In trockenen Tüchern ist das aber noch nicht. Was Uran angeht: Ganz ohne neues Uran geht es nicht, aber es gibt da noch ziemliche Mengen aus der Wiederaufbereitung. Und man erinnere sich: Die Clinton wollte die US Uranproduktionsfirma an die Russen verkaufen, was dann aber nach einem öffentlichen Aufschrei gestorben ist. Zumindest die USA produzieren da selbst noch, wenn auch nicht in berauschenden Mengen.
Herr Rossi hat geschrieben:
22.05.2022, 14:36
Insgesamt seien 18 Reaktoren in Europa betroffen. Diese stehen in Finnland, Tschechien, Ungarn, der Slowakei und Bulgarien. Die Abhängigkeit von russischen Brennelementen sei erst kürzlich durch einen Sonderflug deutlich geworden, zitiert das Magazin einen offensichtlich gut informierten Bundestagsabgeordneten: Am 1. März habe eine russische Il-76-Transportmaschine in der Slowakei landen dürfen, um zwei slowakische Atomkraftwerke mit neuen Brennelementen zu beliefern – trotz des EU-Flugverbots für russische Maschinen.“
Ja, da sind einige Meiler im ehemaligen Ostblock, die sicherlich über kurz oder lang Probleme haben dürften, weil technische Expertise der russischen Hersteller, Ersatzteile und ggf. auch Brennelemente halt ausbleiben. Die USA hatten da mal vor Jahren versucht einem der Länder (weiß nicht welches) zu Helfen. Da ging es um Brennelemente. Stellte sich raus: Die USA konnten es nicht. Deren Brennelemente waren nicht robust genug gebaut, um den grobmotorischen Umgang in russischen Reaktoren zu überleben.

Indessen hab ich noch was kurioses "von der Front":

Die Ukrainer haben am 22. Mai mit einer Stinger-Rakete eine Su-25 der Russen abgeknallt. Stellte sich raus: Die wurde vom russischen Generalmajor Kanamat Botashev geflogen. Ein Generalmajor als Kampfpilot ist schon kurios. Noch skuriler: Der Herr Kanamat Botashev ist seit 2013 pensioniert. Er war Kommandeur einer Su-24 Staffel. Beim Besuch einer Su-27 Staffel fragte er seinen Kumpel, der die Staffel kommandierte, ob er mal eine Su-27 fliegen dürfte. Der hat dann eine Su-27UB (Zweisitzer) klargemacht und ist mit ihm geflogen. In der Luft hat er dem nicht für die Su-27 qualifizierten Botashev das Steuer übergeben. Der hat dann damit eine wahre Zirkusnummer aufgeführt und die Kiste geriet in einen unkontrollierbaren Flugzustand und stürzte ab. Beide Piloten stiegen mit dem Schleudersitz aus. In der nachfolgenden Untersuchung wurde ihm das um die Ohren gehauen und er wurde "in den Ruhestand versetzt".

Stellte sich raus: Der Su-25 mit welcher er jetzt abgeschossen wurde? Die flog er entweder als Mietsoldat für die Wagner-Söldner der Russen, oder die Russen sind mittlerweile so knapp an Piloten, dass jetzt jeder ran darf. Egal ob dafür geeignet, oder wie in diesem Fall mit den bereits erbrachten Nachweis der Unfähigkeit. :eek:

Wie sehr den Russen bereits der Arsch auf Grundeis geht? Das kann man hier sehen. Es werden bereits T-62 (!!!) aus den Depots gezogen und an die Front gekarrt. Zur Einordnung: T-72, T-80, T-90 der Russen sind mehr oder minder die gleiche Generation an Panzer, aber mit verschiedenen Evolutionen und draufgepackter Extraleistung. Es gibt da dennoch eine gemeinsame technische Basis und gewisse Teile und die Munition sind identisch, was die Logistik vereinfacht.

Der T-62? Die letzten davon rollten 1975 vom Band und die technologische Basis dafür ist die Evolutionslinie T-55. Also: 115mm Kanone statt 125mm. Panzerung? Unter heutigen Gesichtspunkten absolut ungeeignet. Nachtsicht? Feuerleitsystem? Laser-Entfernungsmesser? Moderne Funkerei? Alles Fehlanzeige. Auch haben die T-62 keine Autoloader, sondern brauchen einen 4. Mann im Panzer. Und die komplette Ersatzteil- und Munitionsversorgung muss separat aufgezogen werden, weil nichts vom T-72, T-80, T-90 genutzt werden kann.

Dennoch füllen die Russen wohl gerade einige BTGs mit T-62 auf. :eek:

Und das sind noch nicht mal die besten T-62, welche man noch hatte. Denn diese wurden bereits in der Vergangenheit an Verbündete wie z.B. Syrien geliefert.

Die Russen haben angeblich noch alleine 1900 T-72 in aktiver Reserve und 7K in den Langzeit-Depots lagern. So wie weiter oben angedeutet hat sich dann wohl rausgestellt, dass die dank unsachgemäßer Lagerung nun Schrott sind. Ansonsten würde man keine T-62 ziehen. John Ridge erklärt das [url="https://twitter.com/John_A_Ridge/status ... 6971684864]in dieser Twitter-Kette[/url].

Hier mal die Highlights:
John Ridge hat geschrieben: As background, RU is estimated by the ISS to have a total of ~2,900 T-72s, T-80s, and T-90s in active service with an additional ~10,000 of those types in reserve/storage (2021). Stratfor also estimates RU has 2,000 T-64s, 2,500 T-62s, and 2,800 T-55s in storage (2017).

This report leads to a damning implication. RU has potentially nearly exhausted its immediately operable reserves of T-64s, T-72s, T-80s, and T-90s. Frankly, there is absolutely no reason to deploy a T-62 if you have access to a more modern T-64, T-72, T-80, or T-90.

So how did RU get here? Ukrainian action on top of poor to nonexistent maintenance due to corruption. As of today (May 23), UA’s MoD estimates nearly 1,300 RU tanks have been destroyed. In addition to battlefield losses, it’s well documented that stored RU vehicles have been chronically unmaintained due to pervasive corruption. Reports from UA Defense Intelligence indicate that up to 90% of stored RU tanks in at least one depot are non-operable. We can do some back-of-the-envelope math with all these figures. First, let’s assume UA’s estimate of RU tank loses is accurate.

That means RU needs to replace at least 1,300 loses with tanks from its stores. Activating T-62s indicates they have <1,300 operable T-72/80/90s in storage. In other words, >87% are inoperable. Adding in T-64s, you get >89% of 12,000 stored T-64/72/80/90s are inoperable. Rounding to 90% inoperable and assuming the stored T-62s are not in worse condition, that means there are at most 250 operable T-62s out of 2,500 in storage. After that, RU will have to turn to T-55s. And if these numbers hold, there are at most only 280 operable.

Adding up all the stored tanks gives us 14,500 plus the 1,600 remaining in active service. With only 10% of the stored tanks operable, that gives a total of 3,050 remaining tanks that RU could deploy. I’m discounting the T-55s (I’ll eat a hat if they actually deploy them).

Some implicit underlying assumptions. RU has not recovered, repaired, and put any loses back into service. If this is not true, then actual RU loses must be greater than UA claims and/or significantly more than 90% of stored tanks must be inoperable to explain the T-62s.

RU’s ability to produce additional tanks is also discounted as the two major tank factories in the country, Uralvagonzavod (UVZ) and the Chelyabinsk Tractor Plant (ChTZ), have reportedly halted production due to sanctions. The shutdown of UVZ and ChTZ will further hinder RU efforts to repair the inoperable tanks and efforts to repair tanks damaged in the field. Additionally, sanctions call into question RU’s ability to replace critical electronic components such as optics.

Now, addressing the other ~1,600 T-72/80/90s in active service. I’ve seen estimates that the initial invasion force contained ~1,200 tanks with ~400 as a reserve force based upon nominal RU TO&Es and assuming roughly full strength BTGs (almost certainly false).

Working with these estimates and assumptions, RU has lost ~100% of the tanks it deployed with and ~25% of its reserve force for the invasion. What is interesting here, is that it seems that RU could just try to pull ~1,300 tanks from the 1,600 to replace losses.

But the report implies they haven’t, as T-62s are being activated for deployment to UA, not for deployment elsewhere to replace T-72/80/90s being redeployed to UA. Also, if they have redeployed the active tanks, that means actual RU loses would have to be nearly 2x larger than UA claims to justify the deployment of just the stored T-72/80/90s, let alone T-62/64s. I suspect the likely explanation is that Putin and the RU Gen. Staff. do not want to leave RU itself defended by T-62/64s while all the modern(ish) tanks are sent to UA.

Summary: Russia likely has at most ~3,100 deployable tanks before it has totally exhausted its active and operable stockpiled tanks. Given they have suffered ~1,300 loses in the first 3 months, I’m skeptical they can continue combat operations through the end of the year. Key takeaway: We are witnessing the utter eradication of Russian armored forces by the Ukrainians and Russia’s own mismanagement of their military stockpiles. These losses are totally unsustainable and they may literally run out of usable tanks if the war drags on.

Quelle
Die Aussage, dass die Russen ganz offensichtlich bereits 100% aller Panzer, die sie zu Beginn des Krieges aufgefahren hatten verloren haben? PLUS dann nochmal bereits 25% ihrer Panzerreserven? Absolut irre. Dass von den gelagerten Panzern 90% Schrott sind und deswegen nun die Oldtimer aus dem Depots "gezogen" werden müssen? Das ist absolut verheerend. Da kommt jetzt das wirklich LETZTE Aufgebot.

Das ist in etwa so, als wenn die Bundeswehr bereits die Leo 1 wieder bei KMW abgeholt hat und jetzt das Panzermuseum in Munster, die Wehrtechnische Ausstellung in Koblenz und die Verkehrsmuseum in Sinsheim nach allem absucht, was man noch mal an die Front werfen kann. Inklusive die Denkmal-Panzer auf Beton-Sockel.

:ziggi:
Grüße,

Toska
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Re: Ukraine

Beitrag von Herr Rossi » 25.05.2022, 09:58

Toska hat geschrieben:
25.05.2022, 08:51
Ja, es wird derzeit wirklich alles mit Ansage und Anlauf verkackt. Und es ist nicht so, dass es keine Experten gibt, die es nicht bereits gesagt haben. Nur auf die hört halt keiner der Entscheider, bzw. bekommen die dann wie im Gesundheitswesen vom SEK morgens um sieben die Haustür "gesprengt", es wird alles beschlagnahmt, was einen Stecker hat und die Konten eingefroren ([url="https://www.youtube.com/watch?v=zrgZNZ20t74]nur ein Beispiel hier[/url]).
Hockertz ist leider nur einer von vielen. Ich könnte dir mittlerweile eine endlose Liste solcher Vorgänge erstellen. Opposition zu der Corona Politik wird mit maximaler Gegenwehr bekämpft, bis hin zur Existenzvernichtung. Wobei Berlin hier eine besonders unrühmliche Rolle spielt, inkl. Polizeigewalt. Sowas habe ich hier in Düsseldorf zum Glück nie erleben müssen.
Gerade erst hat es übrigens auch Paul Brandenburg erwischt (er macht den Podcast "Nacktes Niveau", den ich selbst regelmäßig höre), komplettes Programm mit Hausdurchsuchung, Vorwurf: Delegitimierung des Staates und seiner Organe (oder so ähnlich). Alle die das nicht so wild finden (wobei eine Hausdurchsuchung echt nicht lustig ist), weil sie ja die vermeintlich richtige Einstellung zum Thema haben, sollten sich bewusst darüber sein, dass solche Auswüchse der Exekutive ganz sicher nicht beim Thema Corona aufhören werden. Das ist eine dauerhafte Untergrabung des Rechtsstaates und der Demokratie, aber das Thema hatten wir ja schon mal...
Toska hat geschrieben:
25.05.2022, 08:51
Die Finnen holen sich gerade ein Konsortium aus USA und Japan an Bord, um den Atom-Karren aus dem Dreck zu ziehen. In trockenen Tüchern ist das aber noch nicht. Was Uran angeht: Ganz ohne neues Uran geht es nicht, aber es gibt da noch ziemliche Mengen aus der Wiederaufbereitung. Und man erinnere sich: Die Clinton wollte die US Uranproduktionsfirma an die Russen verkaufen, was dann aber nach einem öffentlichen Aufschrei gestorben ist. Zumindest die USA produzieren da selbst noch, wenn auch nicht in berauschenden Mengen.
Die ganze Planung / Parlament / Genehmigung lief seit 2010. Wie schnell gedenken die denn mittels eines Wechsels das Projekt umsetzen zu können? Das Atomkraftwerk sollte übrigens fast 10% des Gesamtbedarfs Finnlands decken. Ich kann mir kaum vorstellen, dass die das nicht in gewisse Planungsnot versetzen wird.
Zum Uran: Ist nicht auch ein Teil der Wiederaufbereitung in Russland? Und war da nicht auch was mit Entsorgung? Auf die Schnelle habe ich dazu nur was von Greenpeace gefunden:

https://www.greenpeace.de/klimaschutz/e ... muellkippe

Das wird wohl nun auch wegfallen und wir müssen das Zeug woanders verklappen. Abgereichertes Uran fällt übrigens bei der Anreicherung an, was bedeutet, dass es nach dem Durchlauf in den Zentrifugen als Sand / Staub vorliegt. Dadurch hat es sehr unangenehme Lagerungseigenschaften und ist reaktiv mit Wasser, wodurch es direkt in die Umwelt gelangt. Mal sehen wo wir das Edelmetall dann ablagern wollen!
Toska hat geschrieben:
25.05.2022, 08:51
Ja, da sind einige Meiler im ehemaligen Ostblock, die sicherlich über kurz oder lang Probleme haben dürften, weil technische Expertise der russischen Hersteller, Ersatzteile und ggf. auch Brennelemente halt ausbleiben. Die USA hatten da mal vor Jahren versucht einem der Länder (weiß nicht welches) zu Helfen. Da ging es um Brennelemente. Stellte sich raus: Die USA konnten es nicht. Deren Brennelemente waren nicht robust genug gebaut, um den grobmotorischen Umgang in russischen Reaktoren zu überleben.

https://en.wikipedia.org/wiki/Hanhikivi ... ower_Plant
Naja, eins muss man allerdings auch sagen: Wenn die EU Ausnahmen erlässt, dann liefert Russland nach wie vor die benötigte Güter. Wahrscheinlich wird das mit den Brennelementen daher kein reales Problem werden. Das Thema läuft eh unterm Medienradar und solange sich dafür keine Sau interessiert, ist es auch nicht wichtig, ob dadurch irgendwelche Sanktionsregime unterlaufen werden. Wette? :D
Toska hat geschrieben:
25.05.2022, 08:51
Indessen hab ich noch was kurioses "von der Front":
Lese ich wie immer mit großem Interesse, habe aber mangels eigener militärischem Wissen / Expertise wenige dazu beizutragen, also nicht falsch verstehen, wenn ich da praktisch nie drauf eingehe!

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Re: Ukraine

Beitrag von Herr Rossi » 26.05.2022, 08:33

Falls wer mal Asovstal aus Bodenperspektive sehen möchte (ca. 5 Minuten Autofahrt auf dem Gelände):

https://t.me/MakarenkoLive/3274 (geht leider auch nur mit der Telegram App selbst, da Videoinhalte nur in sehr kleiner Größe über die Telegram Website selbst angezeigt werden, ich kann es bei Interesse aber auch temporär auf meinen Webspace schieben, dann geht es auch ohne App)

Den Channel MakarenkoLive kenne ich nicht (und ich kann auch kein russisch). Das ist bei mir über einen anderen Channel verlinkt worden. Es ist wohl jemand, der vor Ort im Donbass auf russischer Seite oder der Separatisten regelmäßig berichtet und filmt.

Das Video ist mit Rammstein Musik "untermalt". Das ist nicht so ganz mein Ding, aber die Bilder sind schon "beeindruckend", zumal man sonst immer nur Bilder von oben sieht.

Der Text zum Post ist laut google translate:
Erst als ich in das Azovstal-Werk kam, verstand ich, warum unser Präsident angeordnet hatte, den Angriff einzustellen. Freunde, seht euch nur diese Skala an. Und das ist nur 1/10 des Territoriums der Anlage ... Nur ohne Kommentar (und zur ** Musik ausgespuckt)"
Wenn man sich eine Fallout Kulisse in real denken müsste, dann käme das bei mir dabei raus. :/

Edit: Rammstein kam bei den Followern wohl nicht so gut an. Gab dazu daher noch einen Post:

Wieder mit google Translate:
Es gibt viele Fragen zum Soundtrack für das Video aus dem Werk Azovstal (https://t.me/MakarenkoLive/3274). Manche behaupten sogar, Till Lindemann unterstütze angeblich die Nazis😂

Wie? Der, der singt und Deutsch spricht? Du bist von Sinnen? Nur nebenbei - unser Präsident hat sich mit Angela Merkel getroffen, erinnern Sie sich? Welche Sprache spricht sie? Ja, und Putin selbst spricht es fließend, soweit ich weiß.

Ich mag einfach Rammstein, hier gibt es keinen Subtext. Und auch das Siegeslied „Geliebte Stadt kann friedlich schlafen“ sang Til sehr cool, hier …

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Re: Ukraine

Beitrag von Toska » 27.05.2022, 04:39

Herr Rossi hat geschrieben:
26.05.2022, 08:33
Falls wer mal Asovstal aus Bodenperspektive sehen möchte (ca. 5 Minuten Autofahrt auf dem Gelände):

https://t.me/MakarenkoLive/3274 (geht leider auch nur mit der Telegram App selbst, da Videoinhalte nur in sehr kleiner Größe über die Telegram Website selbst angezeigt werden, ich kann es bei Interesse aber auch temporär auf meinen Webspace schieben, dann geht es auch ohne App)
Ich hab da vor einiger Zeit ein paar Clips über Asovstal auf Twitter gesehen. Ja, das Gelände ist absolut enorm. Und noch krasser: Das ist noch aus Sowjetzeit (WWII und Kalter Krieg) noch übler untertunnelt, als das Mekong-Delta während des Vietnamkrieges. Absolutes Labyrinth an kilometerlangen Tunneln - mit eingebauten Verteidigungspositionen, Kavernen, verbunkerten Positionen mit Schießscharten, Fallen und allem Brimborium, den man aus dem Festungsbau kennt. Da kannst du im Prinzip nur hoffen, einen Kessel drum zu ziehen und genügend Lüftungsschächte und Zugänge zu finden und dann tagelang Gas reinpumpen. Mit Infanterie hätte man das nicht ausheben können. Gut, hat sich jetzt erledigt, da sich die Verteidiger nach fast drei Monaten Widerstand ergeben haben. Denen ging halt der Nachschub aus und mit Entsatz war nicht zu rechnen.

Zur russischen Wirtschaft und deren anscheinend so tollen Zahlen hier mal ein recht brauchbares Video auf Youtube. Ich hab das extra mal so verlinkt, dass die anderen Videos von dem Kanal auch sichtbar sind, weil da einige recht gute zum Thema Ukraine und Umfeld mit dabei sind. Mir ist dieser Erklärbär etwas zu langatmig und zu ausschweifend, aber was er dann meist so ab Mitte der Videos bringt, das hat es in sich. So auch beim verlinkten Beispiel. Das erklärt ganz gut, was es mit Russlands "wunderbarer wirtschaftlicher Erholung" auf sich hat und warum das Makkulatur ist und auf Dauer sogar eher schädlich. TL;DR: Die Russen haben da eine Tussi sitzen, die an der Wallstreet oder der EZB mit Kusshand und achtstelligem Jahresgehalt genommen würde. Die macht recht clevere Währungsmanipulationen, die auf Teufel komm raus den Rubel stützen und so zumindest den Anschein erwecken, dass da alles bestens ist. Dafür wird dann sogar das Tafelsilber (äh, die Goldreserven) verhökert. Da der Rubel sowieso derzeit nur eingeschränkt "frei" handelbar ist und der Weg aus dem Rubel in Devisen so gut wie verbaut wurde, klappt das derzeit noch ganz gut. Nur ist das nicht nachhaltig und schiebt die immer gravierender werdenden Probleme auf die etwas längere Bank.
Grüße,

Toska
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Re: Ukraine

Beitrag von Herr Rossi » 27.05.2022, 07:49

Toska hat geschrieben:
27.05.2022, 04:39
Zur russischen Wirtschaft und deren anscheinend so tollen Zahlen hier mal ein recht brauchbares Video auf Youtube.
Schwierig! Das erinnert mich etwas an 2014 als unsere westlichen Organisationen und Think Tanks ebenfalls durch die erlassenen Sanktionen den totalen Niedergang der russischen Wirtschaft heraufbeschworen haben. Das ist so nicht eingetreten wie prognostiziert. Daher bin ich mit solchen Vorhersagen sehr vorsichtig.

Zwei Sachen: Die Grafik zum Anteil am weltweiten BIP: Schau dir die Grafik mal an. Da ist nichts eingeordnet. Sind das Angaben in Dollar? Ich vermute mal schon. Aber: Seit der Finanzkrise 2007/8 kippt der Westen durch seine Notenbanken Billionen an neuen Dollar/EUR in die Märkte rein (das ganze Spiel läuft mit Corona beschleunigt weiter) und bläht somit das BIP um gigantische Summen auf. Diese Summen landen aber primär im Immobilienmarkt und den Finanzmärkten und haben eher einen negativen Effekt für breite Teile der Bevölkerung. Jeder, der dieses Spiel nicht mitspielt, verliert folglich automatisch Anteile am weltweiten BIP. Das muss angesichts der fehlenden Qualität des BIP Wachstums in vielen Ländern daher erstmal nichts negatives bedeuten.

Weiterhin sagt er: Russische Waffentechnik sei einer der Hauptexportgüter neben Rohstoffen. Das stimmt so auch, nur er schließt aus dem Ukraine Krieg dann direkt darauf, dass dieses Geschäft nun wohl vorbei sei, da die russische Technik im Ukraine Krieg katastrophal abschneiden würde. Öhm? So gedacht müssten die ganzen verlorenen US Kriege dann ja auch die Waffenexporte der USA beeinträchtigen. Tun sie natürlich nicht, auch bei Russland wird das so sein, denn Waffentechnik hat vielerlei Einsatzgebiete und es ist für viele Länder natürlich auch immer eine Kostenfrage. Ein afrikanisches Land hat sicherlich anderen Kriterien für den Einkauf als ein westeuropäisches Land. Darüber hinaus: Der Ukraine Krieg ist relativ irrelevant für die AKTUELLE Waffentechnik Russlands und primär diese wird nunmal exportiert. Russland hat in der Ukraine bisher -soweit ich das jedenfalls mitbekommen habe- viel altes Material im Einsatz. Wie sollte das den Ruf aktueller Technik beeinträchtigen?
Große Abnehmer wie z.B. Indien haben zudem bisher nicht durchblicken lassen, dass sie nun keine russiche Technik mehr haben wollen, weil die so schlecht abschneiden würde. Oder hast du in der Richtung was gehört?

Zum Rubel: Puh, das ist eine Menge durcheinander. Er verbindet z.B. den Rubel direkt mit der wirtschaftlichen Situation Russlands und redet von Manipulationen, die den Rubelwert gestärkt haben. Es sind Maßnahmen, wieso nennt er das so? Natürlich kann jede Maßnahme auch Rückwirkungen haben (zumal diese aus einer Notsituation heraus ergriffen wurde), die in anderen Bereichen negativ wirkt, aber das ist zunächst einmal ein wertneutraler Vorgang. Für die Wirtschaft ist es im Außenhandel wichtig und da Russland seine Dollar und EUR Reserven regelrecht geklaut wurden, ist natürlich der Rubelwert ein entscheidener Marker für den Außenhandel, denn darin muss Russland nun mit seinen verbliebenen Partnern handeln. Für Russland wird ein entscheidener Faktor auf diesem Weg sein in wiefern sie Zahlungssysteme und Verträge abseits von SWIFT und Dollar/EUR hinbekommen. Das kann man im Moment überhaupt noch nicht abschätzen. Dass der Verlust von SWIFT, Dollar und EUR an sich eine katastrophale Ausgangslage für Russland darstellt, ist unbestritten. Das wäre für jedes andere Land eine ähnliche Katastrophe. Bisher kommt Russland damit erstaunlich gut klar, natürlich auch mit negativen Folgen, aber es führt zu keinem Komplettzusammenbruch. Interessant wird sein zu sehen wie es weitergeht.

Überhaupt: Wie erfolgreich oder eben katastrophal vieles wirkt, traue ich mir zu diesem Zeitpunkt nicht zu. Einiges kann man nunmal erst nach ein paar Jahren bewerten. Gerade die Erfahrung mit 2014 macht mich skeptisch in Hinblick auf die vielen Untergangsszenarien, die auch heute wieder gezeichnet werden.

Und ein Aspekt, der mit dem allen nichts zu tun hat, der mir aber besonders wichtig ist: All dieser Wahnsinn trifft primär die Bevölkerungen und hat damit das Potenzial viele Freundschaften und gesellschaftliche Befriedung, die in den letzten Jahrzehnten stattgefunden hat, komplett zu zerstören. Allein deswegen lehne ich den ganzen wirtschaftlichen Sanktions- und Bestrafungsapparat komplett ab. All das wirkt gewaltverstärkend und trägt nichts zu einer friedlichen Welt bei. Was ist denn die langfristige Perspektive davon? Putin weg und die Russen vergessen das alles? Ist jemand echt so naiv zu glauben, dass Menschen so ticken? Und was kommt dann? Ein neuer Jelzin, der das Land an den Westen verhökert und ein neues Jahrzehnt des Niedergangs einleitet? Es ist ja nicht so, dass Russland nicht bereits seine Erfahrungen mit den "Beglückungen" des westlichen Systems gehabt hätte.

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Re: Ukraine

Beitrag von ftn|Broken Arrow » 27.05.2022, 09:23

@ Toska: Bezüglich den T-62. Sie sind bereits in Mariupol angekommen.Bild

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Re: Ukraine

Beitrag von Herr Rossi » 27.05.2022, 09:40

Noch mal zum BIP, weil das für die Einordnung der Verhältnisse imo recht passend ist.

So sieht das 2020 aus (Schätzung des IWF):

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der ... ndsprodukt

USA: 21 Billionen Dollar
China: 15 Billionen Dollar
Deutschland: 4 Billionen Dollar
Russland: 1,5 Billionen Dollar
Polen (weil es im Video genannt wurde): 0,6 Billionen Dollar

Hier sieht man also schon recht deutlich in welchen Größenordnungen sich das ganze überhaupt abspielt. Russland gehört nicht wirklich zur Spitze, gehörte es aber auch vorher nicht.

Und jetzt zur Einordung der Finanz- und Coronaprogramme:

Allein die EZB hat mittlerweile eine Bilanzsumme von fast 9 Billionen EUR angehäuft. Die eine Hälfte davon geht auf die "Stützungsprogramme" der Finanzkrise und die andere Hälfte von 4 Billionen auf die Corona Hilfen.
Beides sind Gelder, die ganz sicher niemals zurückfließen werden (somit ist es eine Ausweitung der Geldmenge). Allein die Coronahilfen im EUR Raum liegen pro Jahr (ca. 2 Billionen Dollar) über dem Gesamt-BIP Russlands . Wie will man bei solchen Verzerrungen noch irgendwas sinnvoll vergleichen können?

In den USA sieht es ähnlich aus. Die FED Bilanzsumme liegt ebenfalls bei ca. 9 Billionen Dollar. Vom Bild her gestaltet es sich dort ähnlich wie bei der EZB mit der Verteilung Finanzkrise / Corona.

Und wenn man das BIP Russlands nicht als Prozentsatz des Welt-BIPs nimmt, dann sieht man zwar deutlich den Einbruch 2014, aber auch die Stabilisierung danach (und man beachte wo Russland stand als Putin an die Regierung kam!):

https://de.statista.com/statistik/daten ... -russland/

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Re: Ukraine

Beitrag von Toska » 27.05.2022, 23:28

Herr Rossi hat geschrieben:
27.05.2022, 07:49
Zwei Sachen: Die Grafik zum Anteil am weltweiten BIP: Schau dir die Grafik mal an. Da ist nichts eingeordnet. Sind das Angaben in Dollar? Ich vermute mal schon. Aber: Seit der Finanzkrise 2007/8 kippt der Westen durch seine Notenbanken Billionen an neuen Dollar/EUR in die Märkte rein (das ganze Spiel läuft mit Corona beschleunigt weiter) und bläht somit das BIP um gigantische Summen auf. Diese Summen landen aber primär im Immobilienmarkt und den Finanzmärkten und haben eher einen negativen Effekt für breite Teile der Bevölkerung. Jeder, der dieses Spiel nicht mitspielt, verliert folglich automatisch Anteile am weltweiten BIP. Das muss angesichts der fehlenden Qualität des BIP Wachstums in vielen Ländern daher erstmal nichts negatives bedeuten.
Natürlich bläht auch der Westen seine Zahlen auf, bzw. es werden Dinge wegfaktoriert. Ich erinnere mich an einen Bäcker, der neulich in einer Talkrunde aufbrauste und sagte: "8% Inflation?!? Wenn ich mir die Zahlen in unseren Betrieb anschaue, dann sind das bei uns alleine 28% Preissteigerung - in drei Monaten." Gut, Preissteigerung an sich ist nicht gleich Inflation - ist klar. Dennoch: Man kann das russische BIP neben das des Westens stellen und vergleicht dann keine Äpfel mit Birnen.
Herr Rossi hat geschrieben:
27.05.2022, 07:49
Weiterhin sagt er: Russische Waffentechnik sei einer der Hauptexportgüter neben Rohstoffen. Das stimmt so auch, nur er schließt aus dem Ukraine Krieg dann direkt darauf, dass dieses Geschäft nun wohl vorbei sei, da die russische Technik im Ukraine Krieg katastrophal abschneiden würde. Öhm? So gedacht müssten die ganzen verlorenen US Kriege dann ja auch die Waffenexporte der USA beeinträchtigen. Tun sie natürlich nicht, auch bei Russland wird das so sein, denn Waffentechnik hat vielerlei Einsatzgebiete und es ist für viele Länder natürlich auch immer eine Kostenfrage. Ein afrikanisches Land hat sicherlich anderen Kriterien für den Einkauf als ein westeuropäisches Land. Darüber hinaus: Der Ukraine Krieg ist relativ irrelevant für die AKTUELLE Waffentechnik Russlands und primär diese wird nunmal exportiert. Russland hat in der Ukraine bisher -soweit ich das jedenfalls mitbekommen habe- viel altes Material im Einsatz. Wie sollte das den Ruf aktueller Technik beeinträchtigen?
Große Abnehmer wie z.B. Indien haben zudem bisher nicht durchblicken lassen, dass sie nun keine russiche Technik mehr haben wollen, weil die so schlecht abschneiden würde. Oder hast du in der Richtung was gehört?
Ja, ich verfolge das derzeit mit. Es wird keiner mehr freiwillig russische Waffen kaufen. Es sei denn, er kann aus politischen Gründen nicht woanders einkaufen. Oder er bekommt den Kram quasi geschenkt. Der Ukraine-Krieg hat eines nochmal ganz deutlich gezeigt: Ein Kampfflugzeug, Hubschrauber, Panzer, Artillerie-System, Drohne oder auch ein Schiff sind WaffenSYSTEME. Da müssen Mobilität, Eigenschutz, Wirkmittel und Sensorik alle auf einem zeitgemäßen Stand sein und ineinander greifen. Da kann mal die eine oder Kategorien nicht so toll wie das Zeugs vom Gegner sein, aber in der Summe sollte sich das irgendwo aufwiegen. Entweder in Qualität oder Quantität. Und das ist bei Russen-Kram halt nicht der Fall.

Die Russen haben lange den Eindruck erweckt, ihrer Technik aus den 70'ern und 80'ern mit Upgrades und Modernisierenen "neues Leben" eingehaucht zu haben. Alles Augenwischerei. Russische Panzer? T-72, T-80, T-90 (letztere bislang so gut wie nicht exportiert) sind alle rollende Krematorien, die sofort platzen, wenn sie mit AT-Waffen beschossen werden, die in den letzten 40 Jahren entwickelt wurden. Die russischen "Verbesserungen" am Eigenschutz der Panzer? Egal ob KONTAKT, ERA, neue Panzerungstypen oder Käfige? Alles für die Füße und es nützt halt nichts, wenn die Besatzung noch immer nicht vernünftig nach draußen kucken kann, sobald die Luken zu sind. Oder wenn man schnell aus der Kampfstellung zurücksetzen will und der einzige Rückwärtsgang erlaubt maximal 6 km/h. Weil: ANGRIFFSPANZER - der kann nur Vorwärts.

Bei Flugzeugen und Hubschraubern sieht es ähnlich aus. Die mögen in Cockpits einige Zeiger-Anzeigen teilweise gegen Multifunktionsdisplays ausgetauscht haben, aber da sind noch Schaltschränke mit Relais und Elektronik-Baugruppen von Robotron aus DDR-Zeiten verbaut (im Ka-52!). Ebenfalls: Sensorik und Eigenschutz? Die haben noch nicht mal funktionierende Gegenmaßnahmen gegen die ukrainische Flugabwehr aus Sowjetzeiten und das ist ein Armutszeugnis sondergleichen. Und die Russen haben so gut wie keine intelligenten Wirkmittel, die zeitgemäß sind.

Flugabwehr: Die S-300 der Russen war ja ein toller Exportschlager und wurde in alle Welt exportiert. Und alle wollten auch die S-400 und nur die Türken haben bislang mal dran lecken dürfen. Stellt sich raus: Die vielgepriesene S-400 ist ein relativ zahnloser Tiger, der selbst die Bayraktar-Drohnen in 35.000 Fuß auf nachweislich 48km Entfernung nicht sehen kann! Das ist unakzeptabel. Was man nicht sehen kann, kann man nicht bekämpfen. Neulich erst hat ein Ostblock-Land (Rumänien? Habs vergessen) seinen Bestand an S-300 dadurch vergrößert, dass sie chinesische HQ-9 (S-300 Klon) gekauft haben. Und anders als die Russen haben die Chinesen sich nach der Bestellung überschlagen und neuwertige HQ-9 quasi sofort per Luftfracht ausgeliefert. Sind vor 2-3 Wochen angekommen.

Russische Drohnen: Die einzige VERNÜNFTIGE Drohne, die sie haben? Das ist eine domestisch produzierte Kopie einer alten israelischen Drohne. Und da kommen keine Zulieferteile mehr aus Israel rein, die man dazu bräuchte. Die Orlan-Drohnen? Russische Eigenentwicklung? Ich hab da irgendwo ein Twitter-Video rumliegen, wo ein Ukrainer eine Orlan-10 auf dem Tisch hat und zerlegt. Die Kamera darin? Das ist eine japanische Consumer-Kamera, mit der sonst Touristen Urlaubsbilder knipsen. Dann ist da noch ein LTE-Handy verbaut, eine Digitalfunke aus China, die Kappe vom Tankdeckel ist von einer Limo-Flasche und ein Raspberry-Pi macht ein wenig Logik. Da sind wir auf einem "Fallout" Level von Bastelstunde. Eine Drohne von DJB für unter 1000 Euro kann mehr. Gibt also auch keinen Grund, russische Drohnen zu kaufen. Dann lieber irgend was aus Israel, oder zur Not was von den Amis oder (wenn es denn sein muss) von den Chinesen. Oder den neuen Star am Himmel aus der Türkei: Bayraktar oder deren Nachfolger. Zumal die Türken das auch schlau gemacht haben: Die haben erstmal kleine und intelligente Abstandswaffen gebaut, die auch funktionieren und kompakter und leichter sind, als was an Kampfhubschraubern und Fliegern sonst so hängt. Dann hatten sie eine Hausnummer und haben dann Drohnen gebaut, die 2, 4, 6 oder 8 dieser zwei unterschiedlichen Munitionstypen tragen können.

Bleibt am Ende nur noch "sonstige schwere Waffen" wie Artillerie, MLRS, schwere Mörser und so'n Kram. Und da sieht es bei den Russen halt auch mau aus. Die USA liefern demnächst M270 MLRS und M142-HIMARS. Sicherlich nicht die neueste Generationen, da z.B. alleine das US Marine Corps derzeit die ganze Jahresproduktion an M270 aufkauft. Die Leistungsdaten der alten Gerätschaften, welche die USA in die Ukraine liefern wird? Die dürften auch nicht viel besser sein, als die der meisten russischen Systeme, die Ukraine und Russland selbst schon im Einsatz haben. Der Unterschied (weiter oben erwähnt) ist die einfachere Logistik, zuverlässigere und bessere Munition und höhere Genauigkeit. Was nützt es, "neue" Artillerie in Russland zu kaufen, wenn die einem dann Munition dafür schicken, die 40 Jahre in einem feuchten Keller oder unter freiem Himmel gelagert hat?

Dann sind da noch andere Exportschlager, wie schultergestützte AT-Waffen, MANPADS und leichte und mittlere Waffen. Da nur mal eine Hausnummer: Eine NLAW kostet die UK Army 90.000 Euro und wird für 160.000 Euro international vertickt. Eine Javelin kostet die US Army 600.000 USD. Exportiert wird eine Javelin aber in der Regel zu Preisen um 1.4-1.6 Mio USD. Eine ukrainische STUGNA hat keine Thermalsicht, hat weniger Reichweite, ist störanfälliger, hat aber deutlich mehr Bums, als NLAW und Javelin. Ein Despot in Afrika wird weder NLAW noch Javelin bekommen, also muss er schon was russisches kaufen (z.B. "Kornet"), sofern die Chinesen nicht liefern. Und unterm Strich sind die meisten der Handwaffen halt irgendwo brauchbar, bzw. erfüllen ihren Zweck. Manche besser als andere.

Schlagen wir mal den Kreis: Bei schweren Kriegswaffen wie Panzer, Kampflugzeugen, Hubschraubern und Artillerie (Rohr oder Raketen) haben die Russen gezeigt, dass man mit deren Kram nicht mehr antreten braucht. Die sind für heutige Konflikte nicht mehr geeignet, weil der Fähigkeitsmix nicht mehr stimmt: Sensorik, Wirkmittel, Eigenschutz, Mobilität? Halt alles Mängel oder wurde für die heiße Phase des Kalten Krieges entwickelt in der die Russen alleine durch Masse alles platt zu machen gedachten. Und die Art Konflikt ist heute nicht mehr und selbst die Russen können sich diese Art der Kriegsführung nicht (mehr) leisten.

Das weltweit am meisten exportierte Kampfflugzeug (Stückzahl pro Jahr) der letzten drei Jahre ist? Surprise! NICHT die F-35. Es ist auch nichts russisches. Und nichts chinesisches. Nein, es ist die französische Rafale. Hat mich selbst erstaunt. Die USA kommen mit dem Bau und dem Export der F-35 nicht so hinterher wie sie müssten, weil der Bedarf (auch der eigene) zu groß ist. Gebrauchte F-16's sind in fast allen Rüstständen billig sowohl von den USA zu haben, als auch von Ländern, die gerade auf die F-35 umsteigen. Aber die F-16 ist halt ein alter Flieger und man muss sich mit den USA gut halten und ordentlich Devisen haben, um die in der Luft zu halten. In der Grippen ist leider auch US-Technik drin und von daher ist der Export vom Usus der USA abhängig. Zumindest bei den Waffen ist man auf US-Produkte angewiesen. Die Rafale ist anfangs auch mit verbauter US-Technik geflogen, aber man hat sie in den letzten 20 Jahren "entamerikanisiert" und die kann mittlerweile alles, was auch eine F-18 der USA kann - und mehr. Auch die Wirkmittel sind alle in französischer Ausführung verfügbar, aber man kann auch einigen NATO-Kram dranhängen. Manche Länder, die halt zwischen den Stühlen sitzen haben sich dann eben an die Franzosen gewandt: Indien, Indonesien, Malaysia, einige arabische und afrikanische Länder. Die Rafale wird daher auf Hochdruck produziert und die französische Luftwaffe muss auch bluten und Maschinen für den Export abgeben, die dann irgendwann durch Neubauten ersetzt werden sollen.

Indien wollte noch mehr Su-30MKI haben. Am liebsten domestisch in Lizenz produziert. Die Russen haben sich geziert. Dann wollten die Russen, aber die Inder hatten dann schon Rafale gekauft UND hatten die Chinesen am Start, die den Lizenzbau von (anscheinend) der J-10 und/oder J-16 und eine Kooperation bei der Entwicklung des neuen indischen Kampffliegers anboten. Das ist für die Inder zwar interessant, beendet aber die Abhängigkeit von russischen Triebwerken nicht so ganz. Das hat dann die USA auf den Plan gerufen und die Inder dürfen jetzt wohl F-15, F-16 und F-18 kaufen - und nicht nur die Krüppelversionen. Fest ist da aber noch nichts, weil der US-Kram in der Summe dann doch teurer ist und kein oder nur wenig Technologietransfer (Lizenzbau) anfällt.

Neben den Franzosen konnte aber auch China in Asien und Teilen Afrikas Boden gut machen. Länder, die bislang Russen-Flieger hatten und bald MiG-29 oder Su-27 gegen was anderes austauschen wollen oder müssen, schielen auf chinesischen Ersatz, sind sich aber anscheinend noch unsicher, ob sie das Risiko eingehen wollen. Kolumbien z.B. braucht Ersatz für seine israelischen Kfir und hat +20 nagelneue Kampfflieger aus Südkorea (!) bestellt. Die preislich ähnlich gelagerten Alternativen wären 30-40 Jahre alte gebrauchte F-16 oder neue JAS Grippen gewesen.

Kriege sind halt leider auch Fachmessen und die ultimative Bewährungsprobe für Waffen. Und da ist klar, dass kein russisches System derzeit in IRGEND einer Weise gut aussieht. Die neuen Stars sind NLAW, Bayraktar, Kleindrohnen wie Switchblade, Thermalsichtgeräte, StarLink, hochpräzise und weitreichende Artillerie und vernetzte Kommunikation, welche zeitnah mit punktgenauen Wirkmitteln aus der Distanz den Schlag gegen den Gegner erlauben. Das ist alles Zeug, mit dem man keine Parade auf dem Roten Platz abhält, aber für relativ kleines Geld zu haben und die Russen haben da nichts, was zusammen passt und diese Leistung bringen könnte. Nur ein Paria, der sonst nirgendwo bedient wird, würde jetzt noch bei den Russen kaufen. Wer JETZT noch russische Waffen kauft, kommt auf die Sanktionsliste der USA. Manchen wir das egal sein, andere wie Türkei nutzen dann die Gunst der Stunde, um dafür Gefälligkeiten von den USA oder anderen NATO-Ländern einzufordern.
Herr Rossi hat geschrieben:
27.05.2022, 07:49
Zum Rubel: Puh, das ist eine Menge durcheinander. Er verbindet z.B. den Rubel direkt mit der wirtschaftlichen Situation Russlands und redet von Manipulationen, die den Rubelwert gestärkt haben. Es sind Maßnahmen, wieso nennt er das so? Natürlich kann jede Maßnahme auch Rückwirkungen haben (zumal diese aus einer Notsituation heraus ergriffen wurde), die in anderen Bereichen negativ wirkt, aber das ist zunächst einmal ein wertneutraler Vorgang.
Moment: Dass die Russen den Goldpreis fest auf 5000 Rubel pro Gramm Gold gesetzt haben ist schon eine heftige Manipulation und keineswegs wertneutral, weil es die russische Zentralbank halt die Goldreserven kosten wird.
Herr Rossi hat geschrieben:
27.05.2022, 07:49
Für die Wirtschaft ist es im Außenhandel wichtig und da Russland seine Dollar und EUR Reserven regelrecht geklaut wurden, ist natürlich der Rubelwert ein entscheidener Marker für den Außenhandel, denn darin muss Russland nun mit seinen verbliebenen Partnern handeln.
Laut dem Video haben die Russen wohl noch 110 Milliarden USD oder Euro im Ausland versteckt und nutzen das, um Verbindlichkeiten zu bezahlen und eigene im Ausland befindliche Staatsanleihen billig zurück zu kaufen. Kann ich nicht abschätzen, wäre aber vernünftig.
Herr Rossi hat geschrieben:
27.05.2022, 07:49
Überhaupt: Wie erfolgreich oder eben katastrophal vieles wirkt, traue ich mir zu diesem Zeitpunkt nicht zu. Einiges kann man nunmal erst nach ein paar Jahren bewerten. Gerade die Erfahrung mit 2014 macht mich skeptisch in Hinblick auf die vielen Untergangsszenarien, die auch heute wieder gezeichnet werden.
Eben. Ich traue mir da auch keine Prognose zu, da das Feld nicht meine Stärke ist. Ich denke, dass die Russen da derzeit ganz gut und auch recht clever versuchen, das beste aus der beschissenen Situation zu machen. Wie lange das funktioniert und wann und ob es ihnen um die Ohren fliegt? Wer kann das schon sagen. Ich jedenfalls nicht.
Herr Rossi hat geschrieben:
27.05.2022, 07:49
Und ein Aspekt, der mit dem allen nichts zu tun hat, der mir aber besonders wichtig ist: All dieser Wahnsinn trifft primär die Bevölkerungen und hat damit das Potenzial viele Freundschaften und gesellschaftliche Befriedung, die in den letzten Jahrzehnten stattgefunden hat, komplett zu zerstören. Allein deswegen lehne ich den ganzen wirtschaftlichen Sanktions- und Bestrafungsapparat komplett ab. All das wirkt gewaltverstärkend und trägt nichts zu einer friedlichen Welt bei. Was ist denn die langfristige Perspektive davon? Putin weg und die Russen vergessen das alles? Ist jemand echt so naiv zu glauben, dass Menschen so ticken? Und was kommt dann? Ein neuer Jelzin, der das Land an den Westen verhökert und ein neues Jahrzehnt des Niedergangs einleitet? Es ist ja nicht so, dass Russland nicht bereits seine Erfahrungen mit den "Beglückungen" des westlichen Systems gehabt hätte.
Das sind halt unterschiedliche Philosophien und "Schools of Thought" am Werk. Man sieht das ja in Deutschland derzeit noch sehr deutlich. Mit SPD und Linken ist es schwer, Stimmung gegen Russland zu machen und die harten Sanktionen oder den angestrebten "Regime Change" durchzubekommen. Daher auch der Schleuderkurs von Scholz. Der würde auch anders, wenn er könnte, aber da sitzen ihm sowohl eigene Leute als auch die Koalitionspartner im Nacken.

Dass Sanktionen nicht wirken? Der langfristige Schaden für das BIP eines Landes und seine Möglichkeit, sich nach den Sanktionen wieder zu erholen wird das schon beeinflussen. Weißrussland hatte eine Ökonomie, die doppelt so stark wie die der Ukraine war. Das haben die sich durch den Schulterschluss mit Russland verkackt. Dass die Russen großartig Reibach mit Asien machen und das dadurch kompensieren können? Das mag sein, aber sichtbar ist davon derzeit noch wenig. Muss man abwarten.

Aber ich denke Henry Kissinger (der neulich auch wieder auf "Appeasement" drängte) liegt falsch. Mal wieder. Man kann den Russen gegenüber nicht nachgeben. Nicht jetzt und auch nicht so lange die noch einen Quadratmeter Ukraine besetzt haben. Unterm Strich muss es in Russland (und Weißrussland) Tabula Rasa geben und da müssen neue Leute ans Ruder, die keine Amokläufer sind. Dass insbesondere die Russen danach auf Jahrzehnte stinkig sein werden? Ist klar. Insbesondere auch dann, wenn sie dann sehen, dass Weißrussland und Ukraine dann vom Westen Billiarden an Hilfe bekommen und sie mal wieder nur Heuschrecken und die kalte Schulter.
Grüße,

Toska
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