Herr Rossi hat geschrieben:Bis auf deine Quellen wird es echt dünn, wenn man dazu was recherchieren will.
Ja, zu der "Übung" findest du in Medien in den US, CA und Europa recht wenig. In Kolumbien war es immerhin eine Randnotiz in "La Patria" wert, da viele Kolumbianer als Söldner in der saudischen Armee dienen. Die verdienen am Tag dort soviel, wie hier im Monat und die kolumbianische Armee hier hatte daher Probleme, die Leute zu halten. Also unterstützt man das jetzt mit offiziellen Programmen: Problemlose Aus- und Eingliederung in die Armee falls jemand 'ne Weile da rüber will.
Herr Rossi hat geschrieben:
Allerdings gehe ich nicht mit dir mit was die Frage des Einsatzes von Atomwaffen betrifft. Warum sollte die Russen so bescheuert sein, wenn sie selbst in einer Phase des maximalen Hasses im kalten Krieg nicht dazu gegriffen haben? Das wäre faktisch sowas wie die Eröffnung eines atomateren Weltkrieges. Das passt ehrlich gesagt auch nicht so ganz zu der aktuell gezeigten russischen Politik.
Rossi, sowohl in der NATO als auch der Planung des Warschauer Paktes für WWIII spielte der taktische Einsatz von Nuklearwaffen eine große Rolle. Das ist seit dem Ende des letzten kalten Krieges aus Archiven beider Seiten mehr als deutlich geworden. Wenn du einem zahlenmäßig oder technologisch überlegenen Gegner gegenüber stehst und selbst die Lufthoheit über der eigenen Seite der Front fragwürdig ist, dann sind ein paar "kleine Nukes" recht verlockende Alternativen dazu, vom Tisch gewischt zu werden. Die Technik ist auch nicht auf dem Niveau von 1983 stehen geblieben. Moderne Nukes sind in der Sprengkraft justierbar. Auch so Faxen mit Fallout und weitgehender Kontaminierung sind technisch und durch geschickten Einsatz der Waffen (kleine Sprengkraft, Zündung so hoch, dass nur die Druckwelle aber nicht das Plasma den Boden erreicht) "kontrollierbar". Zumindest redet man sich das ein. Und natürlich macht man damit ein Faß auf, dass besser zu bleiben soll.
Dann hätten wir da noch die Neutronen-Bombe und mal so ganz nebenbei Zündung in der hohen Atmosphäre, um einen EMP zu erzeugen. EMP-Härtung? War früher mal ein großes Thema bei Militär-Technik. Heutzutage und mit der extremen Durchdringung von Elektronik in bald jedem Stück Militär-Technik ist das nicht mehr wirklich drin. Unsere Tornados waren zum Beispiel mal (im Auslieferungszustand) EMP sicher. Das bedeutet aber auch, dass du bei jedem Handschlag an der Maschine höllisch aufpassen musst, da keine EMP-Brücken zu schlagen. Ob man das die letzten 30 Jahre gemacht hat?
Zumindest ein EMP wäre daher denkbar, da er nicht direkt tödlich ist und selbst die Strahlung nicht unten ankommt. Dumm nur, wenn du dann gerade in dem Gebiet in 'nem Flieger sitzt.
Ich würde meine Hand ins Feuer legen, dass die USA auch genau dieses Szenario (Einsatz taktischer Nuklearwaffen) heute noch für einen Einfall Nord-Koreas in Süd-Korea fertig in der Schublade liegen haben. Mit ständiger Aktualisierung der Zieldaten je nach Lageveränderung an der DMZ.
Ich will das nicht herbeireden und wenn es soweit kommt, ist sowieso alles für die Füße. Aber mal ehrlich: Wie dumm muss man sein, um eine Nuklearmacht wie Russland nur die Möglichkeit zu lassen, entweder komplett das Gesicht zu verlieren, oder es zum Einsatz von Nuklearwaffen zu treiben? Putin selbst hat sich ja noch nicht geäußert und nur seine Marionetten vorgeschickt. Es ist allerdings auch nicht das erste mal, dass Russland (und Putin selbst) Saudi-Arabien mit dem Einsatz von Atomwaffen gedroht hat.
Ein letzter Punkt, der aber tiefer in den Bereich VT geht und bei dem die Faktenlage noch dünner ist: Der Einsatz von LRR-Atomwaffen (niedriger Fallout, ganz niedrige Sprengkraft, starke und überwiegend kurzfristige Strahlung wie bei einer Neutronen-Bombe) mag durchaus in den letzten 15 Jahren bereits passiert sein. Einige behaupten: Mehrfach. Wenn du dabei was triffst, was eine große Sekundär-Explosion hervor ruft, fällt es vermutlich auch nicht großartig auf, weil kein klassischer Atompilz entsteht. Captain Eric May von der US Army und General Hasan Taha Al-Rawi (Irakische Republikanische Garde) behaupten beide, die USA hätten 2003 am Flughafen von Bagdad den Hosenboden strammgezogen bekommen und waren kurz davor, dort aufgemischt zu werden. Eine kleine Neutronenbombe soll es dann gerichtet haben. Es gibt Begleitumstände, die das plausibler machen, als man zunächst meinen sollte. Aber wie gesagt: Die Faktenlage ist dünn. Der Angriff der Israelis auf dem im Bau befindlichen Reaktor in Syrien vor ein paar Jahren? Die Brennstäbe waren schon drin. So ein bisschen Strahlung hinterher ist dann plausibel. Die totale Zerstörung der Anlage durch acht F-15 (2 Eskorte, 2 SEAD, 4 "Strike") bis runter auf die Grundmauern? Klarer Fall von "Hmmmm!!". Die Syrer haben dann in einer Nacht- und Nebel-Aktion Dreck drüber geschippt und auf SAT-Fotos ist das Gelände seitdem komplett eingeebnet. Auf die Anschuldigungen, die Saudis hätte im Jemen bereits LRR-Atomwaffen eingesetzt (oder die Israelis darum gebeten) will ich nicht eingehen, weil ich das für Quatsch halte. Aber nur der Vollständigkeit halber: Auch das Gerücht zirkuliert. Oder denk an China: Die Chemie-Explosion im Hafen. Der Punkt ist halt: Bei modernen Atomwaffen im unterschwelligen Bereich kannst du das ohne ABC-Trupp und Radiospektrographie kaum mehr von einem "normalen" fetten Bums unterscheiden.
Selbst wenn man all diese Aktionen nimmt und sagt: Keine davon war nuklear: Es gibt halt genügend Bekloppte, für welche der Einsatz "kleiner" Nukes immer verlockender wird und früher oder später wird es passieren. Falls es nicht schon passiert ist. Das gilt auch für den US Präsidenten Obama. Denn der hatte sich massiv für die Überholung der B61 Sprenkköpfe eingesetzt, um die besser "dimmbar" zu machen. Sprengkraft: 0.3, 5, 10 und 50 kt. Die früheren Versionen hatten als "maximal yield" 340 kt. Das ist aber für den "Hausgebrauch" eher unpraktisch. Und die B61 sind genau jene Fliegerbomben, wie sie halt auf Luftwaffenbasen im Ausland liegen. Unter anderem in Büchel und in Incirlic, aber auch in Spanien, Italien, Südkorea und Japan. Die neue B61-12 hat zudem das Heckstück der JDAM (Joint Direct Attack Munition) und daher Präzision von 7 Metern Zirkularfehler und Reichweite von rund 30km bei Auslösung in größerer Höhe. Bei der Genauigkeit brauchst du keine 50, 100, 200 oder 340 kt mehr. Wenn du sie genau triffst, dann reichen auch 0.3 kt, um eine gehärtete Kommandozentrale auszuschalten.
Wie gesagt: Ich hoffe, es bleibt ruhig. Aber ich denke: Alle Seiten haben sich beim Pokern verzockt und entweder steht einer auf und geht heim, oder es kommt zum "all in". Ohne Gesichtsverlust kommt da keiner raus und wir wissen, dass einige hoch irrationale Mitspieler am Tisch sitzen. Einer reicht ja schon: Erdogan.
Herr Rossi hat geschrieben:
Man schaue sich mal dieses journalistische Glanzstück an:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/s ... 77445.html
"Das Assad-Regime und seine Verbündeten haben zwei Krankenhäuser im Norden Syriens bombardiert, Dutzende Menschen starben. Die Angriffe gehören zur Kriegstaktik: Zivilisten sollen aus den Rebellengebieten vertrieben werden."
Man erinnere sich mal an das Krankenhaus in Afghanistan, welches die Amis in Staub verwandelt haben und mit welch seichtem wohlwollendem Ton darüber berichtet wurde.
Bei den Russen liest sich das übrigens so:
https://deutsch.rt.com/der-nahe-osten/3 ... ppo--aber/
"Kampfflugzeuge der US Air Force vom Typ A-10 Thunderbolt II haben am Mittwoch Luftangriffe auf die syrische Metropole Aleppo durchgeführt und dabei mindestens neun Einrichtungen zerstört. Am selben Tag beschuldigte das Pentagon Moskau der Bombardierung von zwei Krankenhäusern in Aleppo, obwohl es nachweislich an diesem Tag keine russischen Kampfeinsätze über der Stadt gab. In Westmedien werden die Zerstörungen in Aleppo nichtsdestotrotz der russischen Luftwaffe in die Schuhe geschoben."
Es ist natürlich absurd, dass eine Seite (egal welche) grundsätzlich nie Kollateralschäden anrichtet und die andere Seite außer Kollateralschäden nichts auf die Reihe bekommt. Seit Monaten wirft man den Russen vor, sie würden in Syrien alles und jeden plattmachen, nur nicht ISIS. Auch das ist Quatsch mit Soße. ISIS ist so gut wie erledigt und das nicht nur wegen Knalltrauma und schlafloser Nächte durch die ganzen Bomben, die daneben gingen. Natürlich wird auch das zivile Opfer gekostet haben und ist daher schlimm genug. Nur dass wir das in den Medien übertreiben und die Russen es halt untertreiben. Was da in Aleppo genau passiert ist und wer es war? Ich traue da keiner Seite über den Weg.
Herr Rossi hat geschrieben:
Überhaupt sind das bei den Amis immer nur Ausrutscher und traurige Fehlleistungen einzelner... und selbst Folter, die nachgewiesenermaßen von ganz oben angeordnet wurde, bleibt am Ende in den Medien als eine Art Irrweg hängen, auf dem man sich ja mal verlaufen kann, obwohl man ja eigentlich auf dem Weg der ewig Gerechten ist.
Ich würde da noch einen Schritt weiter gehen: Politisch motivierte Morde von Landsleuten im eigenen Land. Exekutionen ohne jegliche Verfahren. Und das halt nicht nur in dieser Amtszeit des jetzigen Präsidenten. Sondern auch unter Bush jr. (vor allem dem!) und davor unter Bill Clinton. Ich hatte oben ja Captain Eric May erwähnt (wegen der Bagdad Airport Geschichte). Wenn du dir mal richtig die Laune vermiesen willst, lies einen der beiden Links:
http://www.iconoclastnews.com/AbsoluteN ... asp?a=1294
http://www.veteranstoday.com/2016/02/14 ... say-hello/
Das erste Link ist halt auf May's Webseite und der Arikel dort geht um die Bagdad-Geschichte und "typische" Ablenkungsmanöver, die von Brennpunkten ablenken und neue Skandale generieren, welche die Aufmerksamkeit fangen. US Soldatin Jessica Lynch (Geisel Saddams)? CIA Agentin Valerie Palme? Lewis "Scooter" Libby? Diese Skandale passierte zufällig genau dann, als die Kämpfe am Bagdad-Airport dabei waren, in die News zu kommen.
Captain May schreibt dann in dem Artikel, wie Bush jr. dann plötzlich nach Afrika auf Staatsbesuche eilte. Während der Krieg im Irak noch auf vollen Touren lief. Und daheim ging die "Nacht der langen Messer" los und die Maschinerie des Weißen Hauses nutzte die Zeit, um mit seinen Kritikern aufzuräumen. Leichen inklusive. Der Artikel ist sehr lesenswert, weil er die Schlagzeilen, die in Erinnerung blieben mit Hintergrund-Events verbindet. Wie zum Beispiel Gitmo und Abu Ghureib und die damit verbundenen Personalien. Ich hab in den letzten 10 Jahren schon mehr so Dinger gelesen, die einzelne Elemente aufgriffen. Aber das hier bringt mal so einiges davon in Zusammenhang und beleibt dabei plausibel genug, dass was dran sein dürfte.
Mein Fazit und worauf ich eigentlich hin will: Das Thema "westliche Wertevorstellungen" ist durch. Egal ob in den USA, in Kanada, England oder Deutschland: Wir sind bei Gestapo-Methoden angekommen und nutzen all die Werkzeuge und Hilfsmittel von Unrechtsregimen. Einige Länder (USA) mehr als andere. Aber auch bei uns: "Dissidenten" und "Andersdenkende" machen bei uns keine Ferien auf dem Ponyhof. Du kannst noch nicht mal mehr sagen: "Aber wir bringen sie nicht gleich um!" Uhm? Hallo? In der NSU-Affäre gab es soeben mal wieder einen "seltsames" Ableben eines Zeugen. Wie viele waren das jetzt? Haben wir das erste Dutzend schon voll? Das sind aber "gesichtslose" Räder im Getriebe. Prominente "Spalter" wie einen Ulfkotte, einen Wießnewski, einen Martin Hohmann oder einen Edahty "verunfallt" man bei uns nicht gleich oder lässt es wie Selbstmord aussehen. Aber man macht sie so lange auf allen Ebenen fertig, dass sie weder in der öffentlichen Meinung noch jobtechnisch irgendwann mal wieder ein Bein auf den Boden bekommen. Die sind dann Nazis, Kinderficker, Putin-Versteher, Holocaust-Leugner und Schmuddelkinder, mit denen man nicht spielt. Weit von den Methoden der USA (oder dem 3. Reich oder Stalins UdSSR) sind wir auch da nicht weg.
Wir haben auch nicht den "einen Diktator", der das alles anordnet und wenn der mal weg ist, wird alles besser. Nein: All der Mist passiert, weil die Systemlinge das von selbst und im vorauseilenden Gehorsam machen. Oder um ihre eigenen Ärsche aus der Schusslinie zu bringen (wieder NSU-Affäre). Und dieser Mist passiert auf allen Ebenen. Im Kabinett von Merkel bis runter in die Redaktionen der Medien, die Partei-Kreisvorstände und alle Behörden, öffentliche Einrichtungen und die Privatwirtschaft. Das funktioniert, weil wir seit Jahrzehnten darauf geimpft wurden, all jene zu beißen, welche uns als Buhmänner vorgehalten werden. Selbst wenn nichts davon justiziabel ist: Die werden ihr Stigmata der Vorverurteilung nie wieder los. Dafür wird schon gesorgt. Selbst Sippenhaft haben wir wieder. Du liest was von Ulfkotte oder Wießnewski? Iiiiih! Mit dir spielen wir nicht mehr!
Herr Rossi hat geschrieben:
Auch passend mal wieder die Rede Medwedews. Was da an Unterstellungen geliefert wird geht langsam echt auf keine Kuhhaut mehr. Da warnt der vor einer Eskalierung der Konflikte, mahnt Zusammenarbeit an, mahnt an gemeinsam Lösungen zu finden und was machen unsere Edeljournalisten daraus? Genau das Gegenteil: Sie unterstellen ihm Kriegshetze... omg, wie tief ist da!
Witzig ist, dass die selben Medien die echte Kriegshetze von Erdogan nicht thematisieren, oder? Denk nochmal zurück an die Rede Putins bei der letzten UN Vollversammlung. Das war vor dem Engagement in Syrien. Der hat sie alle bloßgestellt, aber auf eine Weise, so das alle beteiligten noch das Gesicht hätten wahren können, wenn sie der Bitte gefolgt wären, sich entweder rauszuhalten, oder dabei zu helfen ISIS zu plätten. Die Rede war ein Geniestreich der Diplomatie und ich halte sie nach wie vor für die wichtigste Rede, die irgend ein Politiker seit Churchills "We shall never surrender" oder Kennedys "Isch bin ein Bäährliinerrr"-Rede gehalten hat. Im Westen gab das auch so gut wie keine Resonanz in den Medien, weil man der Rede Putins keinen anderen Spin geben konnte, ohne gleich damit auf die Nase zu fallen. So genial war die.
Ich bin jedenfalls mal gespannt, wie sich die Sache hier entwickelt und was es davon wann und in welcher Form in die Medien schafft. Wenn das erste, was du davon liest ist: "Russland greift Saudi Arabien mit Nuklearwaffen an!" ist, dann funktioniert die übliche Medien-Maschinerie mal wieder wie geschmiert. Selbst wenn es nur bei der Drohung bleibt und die Saudis zurückschrecken: Die Vergeltung für diese Schmach wird dann ebenfalls episch. Weder in der Politik noch im militärischen ist es geschickt, einem Gegner keinen Ausweg zu lassen, als die Konfrontation mit voller Härte anzunehmen. Und so weit sind wir anscheinend jetzt. Wenn die Putin weiterhin so unter Druck setzen, wird es früher oder später halt knallen. Er mag zwar ein Schweinehund sein, aber wird sich nicht wie die Wildsau vom Acker treiben lassen. Putins Schicksal (auch im eigenen Land) ist an Syrien gekoppelt.
Mein Tipp an Saudi-Barbarien: Sonnen-Creme mit Schutzfaktor 20 Mio und mal überlegen, was man mit zwei neuen Parkplätzen in der Größe von Mekka und Medina machen will.
