Ihr habt das sicherlich auch gehört: Die Tage haben die USA eine eigene F/A-18 abgeschossen. So langsam kommen da mehr Details raus und da kann man sich nur noch an die Birne fassen.
TWZ hat einen längeren Artikel dazu, aber deutlich interessanter ist
Ward Carrols Video auf Youtube. Er und "Hozer" waren im April auf der Truman als Gäste und haben einiges an Insider-Infos aus inoffiziellen Kanälen. Ich fasse das mal grob zusammen:
Es ist stockfinstere Nacht und die Truman-Trägergruppe war unter Beschuss durch Huthi-Drohnen und Raketen. Zudem hatte man eine Strike-Package in der Luft, die im Jemen einen Schlag gegen ein Lagerhaus mit Raketen durchführte. So eine Trägergruppe fühlt sich in der Enge vom Roten Meer nicht wohl. Auf offener See? Da hat man in 200 Meilen Distanz vom Träger zwei "Hawkeyes" in der Luft und BARCAP bis raus in 400 Meilen Entfernung, um Frühwarnung zu haben und genügen "Player" in der Luft, um reagieren zu können. Das Rote Meer ist an der weitesten Stelle aber nur 100 Meilen breit und vorher kommt man schon an die Grenzen des Luftraums der Anrainerstaaten. Dementsprechend dichter muss man alles packen und auch die Wachsamkeit muss höher sein, weil man weniger Reaktionszeit hat.
Die Strike-Package war wohl schon aus dem Jemen zurück und gelandet. Wie üblich schwirrten aber noch Hubschrauber des Trägers und der Begleitschiffe rum (Standby-SAR und ASW-Helikopter), plus eben sicherlich auch noch die BARCAP. Zudem waren noch drei F/A-18F Tanker in der Luft, welche dafür gesorgt hatten, das zurückkehrende F/A-18 der Strike-Package ggf. noch einen Schluck tanken konnten, während sie auf die Gelegenheit zum Landen warten mussten. Denn Nachtlandungen gehen nach einen anderen Schema als bei Tag: Flieger werden 10-20 Meilen vom Träger entfernt in Warteschleifen gepackt. Jeder Flieger in einer anderen Höhe. Und dann nach Freigabe lösen die sich einzeln aus der Warteschleife und fliegen mit 250 Knoten in Richtung Träger-Heck. Bei etwa 10 Meilen gegen sie in Lande-Konfiguration (Fahrwerk, Klappen und Haken raus) und bremsen dabei zur Landegeschwindigkeit ab.
Die drei Tanker? Die waren auf 1200 Fuß und 250 Knoten und hatten fünf Meilen Abstand zueinander. Sie waren schon auf der "Marshall"-Funkfrequenz des Endanflug-Controllers des Carriers und der wird die wohl so aufgereiht haben und gab denen wohl auch das OK zum Anflug. Wie das dabei so üblich ist: Die Flieger haben dann schon alle Offensiv- und Defensiv-Systeme aus: Master-Arm ist off, Radar ist aus, EW-Systeme und Radar-Warner sind aus, Nachtsichtbrillen sind abgesetzt und verstaut und die sind jetzt voll damit beschäftigt, im dunklen Bärenarsch nach den fahlen Lichtern des Trägers zu suchen.
10 Meilen hinter der Truman fuhr CG-64 USS Gettysburg (Ticonderoga-Klasse). Das ist so üblich, dass da ein Schiff fährt, welches Flugabwehr macht. Wenn das keine Tico macht, dann eben ein Arleigh Burke Zerstörer. Der erste der drei F/A-18F Tanker ist noch 15 Meilen vom Träger und fünf Meilen hinter der Gettysburg. Die zweite F/A-18F fünf Meilen weiter weg. Und von der Crew hat Ward Carroll wohl die Info: Die sahen erst einen Feuerball und dann einen zweitem aus der Gettysburg aufsteigen. Die hatte gerade zwei SM-2 Raketen abgefeuert. Ihr erster Gedanke war, dass die Houthis wohl wieder Drohnen oder Raketen geschickt haben. Da ihr Radar und Radarwarner aber aus sind und sie nicht mehr auf der taktischen Frequenz sind, können sie nur spekulieren. Und dann schwenkt die erste SM-2 auf die vorausfliegende F/A-18F ein. Unmittelbar danach hört man zwei ELT-Signale. Das ist die automatische Rettungsfunke in den Westen der Crew. Die wird automatisch aktiv, sobald der Schleudersitz ausgelöst wird. Die Crew der vorausfliegenden F/A-18F ist also mit den Schleudersitzen raus und drei Sekunden später der Feuerball, als die erste SM-2 den Flieger zu Konfetti verarbeitet.
Dann sieht die Crew der zweiten F/A-18, wie die zweite SM-2 auf sie eindreht. Wie gesagt: Die haben noch alles aus, was helfen könnte. Sind mit 250 Knoten in 1200 Fuß. Optimale Kurvengeschwindigkeit dürfte so bei 340-360 Knoten liegen und die haben sie nicht. Der Pilot sagte dann zu seinem Mann im Rücksitz: "Wir werden wohl auch raus müssen." Geht aber mit der Nase runter, gibt Gas und zieht in die Kurve auf die Rakete zu. Bei stockfinsterer Nacht und 365 Meter (1200 Fuß) über dem Meer. Die Rakete verfehlt sie um 30 Meter und knallt direkt hinter ihnen ins Meer.
Unterm Strich kann man da nur den Kopf schütteln. Die Gettysburg hat hier auf absolut kürzeste Distanz (5 Meilen oder weniger) geschossen. Auf drei im Anflug befindliche F/A-18F, die sicherlich IFF an und die bei "Marshall" die Freigabe für den Endanflug auf den Träger bekommen hatten. Zudem waren sie im klassischen Nachtanflug-Profil wie Perlen auf der Schnur aufgreiht und Geschwindigkeit und Abstand waren wie immer in solchen Fällen. Zudem dürfte die Gettysburg diese drei F/A-18 die ganze Zeit von Start bis Landungsversuch auf dem Schirm gehabt haben, da diese Tanker eben die Standby-Tanker der Flotte waren und nicht mit der Strike-Package mit sind.
Ward Carrol sprach im Video noch genauer das IFF an und er hat Infos aus der Flotte, dass das IFF der F/A-18F wohl immer wieder mal Macken hat. Es wird vor und nach dem Start überprüft, ob das IFF eines jeden Fliegers geht. Ohne funktionierendes IFF? Kein Start. Ist nach dem Start ein Defekt am IFF? Das wird mit "Pings" von der "Hawkeye" überprüft und wenn das IFF dann ausgefallen ist? Der Flieger muss dann auf mindestens 10 Meilen Abstand gehen, bis man ihm einen Anflugkorridor gibt und dann einzeln reinlotst. Es kommt aber momentan häufiger vor, dass nach dem Katapultstart das vorher noch funktionierende IFF schlicht und einfach ausfällt.
So oder so? Das ist so ein FAIL, dass da natürlich Köpfe rollen werden.
Ukraine/Russland:
Um zusammenzufassen, was die Russen an Weihnachten gemacht haben:
- Abfeuern von 70 Raketen und über 100 Drohnen auf die Ukraine, um das ukrainische Energienetz zu zerstören und Millionen Ukrainer eine kalte Weihnacht zu bescheren.
- Verletzung des moldawischen und rumänischen Luftraums, bei der russische Cruise-Missiles
abgeschossen wurden oder dort abstürzten.
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Abschuss eines zivilen Passagierflugzeugs aus Aserbaidschan. Es sind dabei 38 Passagiere umgekommen. Die Maschine wurde von Raketenfragmenten durchsiebt und verlor wohl Hydraulik und Funktion des Höhen- und Seitenleitwerks. Die Piloten haben noch heldenhaft eine Notlandung versucht (nur mit Differential-Schub), verloren aber im Endanflug die Kontrolle und krachten auf freies Feld. Im Heck des Fliegers gab es Überlebende und es gibt Videos von vor und nach dem Crash aus der Kabine. Die verwenedete Rakete war vermutlich was kleineres: Entweder von einer OSA oder Pantsir.
- Zwei Seekabel für Strom zwischen Finland und Estland wurden gekappt. Im Verdacht:
Mal wieder ein chinesischer Frachter. Die sollten bei der Einfahrt ins Baltikum besser demnächst ihre Anker abgeben. Versenken wäre auch so langsam mal angesagt.
