Indradanush 2015 (Eurofighter vs. SU-30 MKI)

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Indradanush 2015 (Eurofighter vs. SU-30 MKI)

Beitrag von Toska » 11.08.2015, 02:47

Für die Luftfahrt-Enthusiasten hier mal ein paar Links zu der neulichen Übung zwischen der Britischen Royal Airforce und der Indischen Airforce in England.

Die Inder waren mit einem Il-76 Tanker, C-17 und C-130 Transport-Fliegern und 10 SU-30 MKI angereist. Die SU-30 MKI ist eine Weiterentwicklung auf Basis der SU-27 und die indische Variante wird bei Hindustan Aeronautics Limited für die IAF gebaut. Indien darf unter russischer Lizenz bis zu 272 davon bauen und hat seit der Indienststellung in 2004 nun rund 200 davon im Bestand.

Die SU-30 MKI ist ein zweistrahliger Mehrzweck-Kampfflieger mit 3D-Schubumlenkung zur Erhöhung der Manövrierfähigkeit. Bei der kompletten Avionik, Radar, Bus-Systemen und Bewaffnung setzte man jedoch auf Eigenentwicklungen oder kaufte in Frankreich und Israel ein. Besonders spannend war die Integration des EASA-Radars westlicher Bauart mit dem russischen IRST und diverser anderer aktiver und passiver Sensoren. Die Inder haben angeblich da was gebastelt, was die Russen so von den Socken gehauen hat, dass diese nun ihrerseits für den Eigenbedarf SU-30 MKI bauen, für welche die Inder Zulieferer sind. Das lieferte auch den Grundstein für die erweiterte Zusammenarbeit Indiens und Russlands bei der gemeinsamen Entwicklung des PAK-FA Stealth-Jets, der derzeit in der Erprobung ist.

Die Engländer boten zur Übung ihre Eurofighter "Typhoon" auf. Zwischen dem 20. Juli und dem 31. Juli fanden dann eine Reihe von Luftkämpfen zwischen den Engländern und Indern statt. Darunter Dogfights einer gegen einen, einer gegen zwei und zwei gegen zwei. Gegen Ende folgte ein komplexeres Manöver, bei denen jeweils ein Team Jets eine C-130 mit Fallschirmspringern in ein Zielgebiet eskortieren sollten und das andere Team dies verhindern sollte.

Dieser Artikel hier hat schöne Bilder wie aus dem Werbe-Prospekt: http://foxtrotalpha.jalopnik.com/photos ... 1722373860

Der "putzige" Teil der News:
“The first week of the exercises pitted the Su-30, which NATO calls the Flanker, in a series of aerial dogfight scenarios. First, there were 1 v 1 encounters, where a single jet of each type engaged each other in Within Visual Range (WVR) combat, firing simulated missiles to a range of two miles. The exercises progressed to 2 v 2 engagements with two Eurofighters taking on two Su-30s and 2 v 1 exercises where two Sukhois took on a single Typhoon and vice versa. Notably, in the exercise where a lone Su-30 was engaged by two Typhoons, the IAF jet emerged the victor ‘shooting’ down both ‘enemy’ jets.”

So, not only held the Su-30s an edge on the Typhoons on 1 vs 1 and 2 vs 2, but even when a Sukhoi flew against two Typhoons, it managed to shoot down both enemies.

The response to such claims was almost immediate, even though not too detailed. According to an RAF source quoted in an Independent piece the Indian claims were “clearly designed for a domestic audience“.

Quelle: http://theaviationist.com/2015/08/08/ha ... bably-not/
Die Inder sagen: Sie haben mit den Engländern den Boden aufgewischt und erzielten Abschussraten von 12:0. :lol:

Simulierte Luftkämpfe sind immer so 'ne Sache. Die Inder haben zum Beispiel bei einer ähnlichen Übung in 2004 gegen F-15C der USA eine Abschussrate von 9:1 erzielt. Bei jener Übung hatten die eingesetzten F-15C jedoch kein AESA Radar, sondern ältere Kaliber und die Einsatzparameter der Übung erlaubten keine Distanzschüsse mit Mittelstrecken Luft-Luft Raketen. Bei solchen Übungen werden in der Regel auch keine elektronischen Gegenmaßnahmen eingesetzt und teilweise kämpft man auch mal mit gezinkten Karten, damit die eine oder andere Seite gewisse Verfahren und Einsatzmittel nicht so anwenden kann, wie man das in einem echten Kampf tun würde. Die USA hatten zu dem Zeitpunkt auch eine Revision des F-22 Budgets anstehen und es wäre vorteilhaft gewesen, wenn die F-15's bei so 'ner Übung halt mal ordentlich den kürzeren ziehen.

Die Aussagen der Inder sind also hier mit Vorsicht zu genießen, da die Einsatzparameter hier nicht so genau bekannt sind. Man hat vermutlich auch hierbei wieder auf BVR (beyond visual range) verzichtet und ist fast ausschließlich Nahkampf geflogen. Dabei ist klar, dass die SU-30 MKI mit ihren Leistungsparametern (mehr Sprit, mehr Schub und 3D Schubumlenkung) dem Eurofighter bei weitem überlegen ist. Der andere und meiner Meinung nach viel wichtigere Punkt:

Beim Eurofighter hat man im Laufe der Spar-Runden auf vieles Verzichtet: Die geplante 2D Schubumlekung fiel als erstes weg. Das IRST System zur Infrarot-Zielortung wurde gestrichen und das geplante AESA-Radar (Active Electronically Scanned Array) wurde durch ein simples Radar "von der Stange" ersetzt. Die geplanten LRAAM and MRAAM wurden ebenfalls gestrichen und sowohl die Brimstone (Luft-Boden Abstandswaffe) und die METEOR Luft-Luft Mittelstrecken-Rakete sind noch nicht für den Eurofighter zertifiziert. Die Inder dagegen haben "Vollausbau" in ihren Jets und gerade die Kombination und gute Systemintegration zwischen AESA Radar und dem IRST erlaubt wohl Zielerfassungen von Kampfjets auf rund 30-40 Meilen - ohne dass man seine Anwesenheit durch eigene Radar-Emissionen verraten müsste.

Dann gibt es noch zwei weitere Punkte, die bei den Engländern (und NATO generell) auffällig sind: Mangel an Flugstunden und gut geschulten Piloten. Die Engländer haben zuden noch ihre Pilotenausbildung privatisiert und das dafür zuständige Konsortium hat angekündigt, erst 2019 den Output an trainierten Piloten hinzubekommen, den man eigentlich für 2014 anvisiert hatte. Typische indische Kampfpiloten kommen derzeit auf rund 300 Flugstunden im Einsatzmuster im Jahr, wogegen ihre Englischen Kollegen Mühe haben, die 130 Stunden für den Scheinerhalt zusammen zu kratzen.

Vor dem Hintergrund sollte man dann auch sehen, dass von der Leyen Ende letzter Woche für Mittel nachgesucht hat, die Eurofighter der Luftwaffe endlich mit dem EASA-Radar auszurüsten. Die Engländer dürften deswegen halt mal Druck gemacht haben, dass das Radar endlich mal gebaut wird.

Hier noch ein paar weitere Artikel mit Analysen und Bildern zu der Übung:

https://www.rt.com/uk/311839-indian-air-force-raf/
http://www.ndtv.com/india-news/indian-a ... uk-1204336
http://theaviationist.com/2015/08/08/ha ... bably-not/
Grüße,

Toska
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Beitrag von cubi » 11.08.2015, 14:50

Irgendwie beruhigend zu wissen, das von uns wenigstens militärisch keine Gefahr mehr ausgeht!
cu cubi
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Beitrag von Toska » 11.08.2015, 22:42

cubi hat geschrieben:Irgendwie beruhigend zu wissen, das von uns wenigstens militärisch keine Gefahr mehr ausgeht!
Ist für die Engländer ja nichts neues, dass sie rechts und links von den Ex-Kolonien überholt werden. :wink:

Indien hat derzeit zwei Flugzeugträger im aktiven Dienst und baut an 2-3 weiteren in heimischen Werften. Dann haben sie ein atomgetriebenes Akula, 13 Angriffs-U-Boote (4 aus Deutschland), 20 Truppentransporter, 24 Zerstörer und Fregatten, 25 Korvetten und rund 70-80 kleinere Einheiten. Bei der Luftwaffe und Marine sind rund 900 Kampfjets aktiv, von denen knapp die Hälfte recht modern ist. Zum Vergleich: Die Bundesluftwaffe hat 109 Eurofighter und 106 Tornados. Mit Klarstand von ungefähr 30-40 pro Typ. Die Inder haben auch noch Restbestände an Mirage 2000, Jaguar, MiG-29 und MiG-21, die aber kurz und mittelfristig gegen Neubauten aus eigener Produktion ausgetauscht werden sollen. Die Inder unterhalten auch eigene Kommunikations- und Spionage-Satelliten. Darunter auch einen, der ständig für die Marine auf den indischen Ozean linst. Die Amis hatten mal Druck gegen Indien aufgebaut und einen Träger vor Indiens Küste seine Manöver abhalten lassen. Die Inder haben das dann für ein Manöver ihrerseits genutzt und mal alles aufgefahren, was schwimmt und fliegt. Halt auch um zu zeigen, warum man das den "Indischen Ozean" nennt. Bei diesem "show of force" haben die Inder dann die E-2 Hawkeye's der USA so eng beschattet, dass ein weiterer Einsatz der träger-gestützten AWACS zu brenzlig war. Die Amis haben dann fix eingepackt und hatten auf einmal woanders Bedarf am Träger.

Der indische Militär-Attaché in Washington wurde kurz darauf auch ausgewechselt. War wohl nicht mehr willkommen. :hehehe:

Die Zusammenarbeit Indiens mit Russland und Israel wird von den USA recht kritisch gesehen. Und wie zu erwarten: Auch französische Waffenschmieden gehen in Indien ein und aus. Die Amis sind ziemlich angepisst, dass ziemlich hochwertige westliche Militärtechnik über Israel nach Indien fließt und von da weiter nach Russland. Gerade im Bereich Avionik, Gegenmaßnahmen und Sensoren. Die Inder haben neben der Entwicklung der SU-30 MKI und dem Beitrag zur PAK-FA auch dafür gesorgt, dass auf Halde liegende russische Waffenprojekte neu angekurbelt wurden. So zum Beispiel die R-172, die nun als "Novator" K-100 in Russland und Indien eingeführt wird. Das ist eine Luft-Luft Rakete mit 400km Reichweite, die auf der Buk 9K37 basiert und primär dazu dient, AWACS zu ärgern. Sekundär könnte man damit möglicherweise auch Satelliten "ausknipsen". Zumindest wenn der Jäger von AWACS oder Bodenstationen die passende Telemetrie für den Fangschuss aufs Datenlink bekommt und der Sucher der Rakete entsprechend "agil" auf die hohe Geschwindigkeit des Zieles reagieren kann.

Dann hatten die Russen noch die P-800 Oniks Cruise-Missile in der Entwicklung, aber es fehlte das Geld um das ernsthaft bis zur Einsatzreife zu verfolgen. Zusammen mit Indien hat man dann daraus die BrahMos entwickelt. Eine Cruise-Missile mit bis zu 500km Reichweite und Mach 2.5-3.0. Gibt es nun in diversen Ausführungen für den Start von U-Booten, Schiffen, Fahrzeugen und Kampfjets. Nach unten wird das durch eine unterschallschnelle Cruise-Missile namens "Nirbhay" abgerundet, die Indien in Eigenentwicklung hergestellt hat. Reichweite so um die 1000-1500 km. Beide können wohl auch nuklear bestückt werden.

Der letzte Baulos von 60 SU-30 MKI hat zudem doppelt soviel gekostet, wie die Vorgänger. Der Kostenzuwachs dürfte sich daraus erklären, dass die Dinger jetzt vermutlich EMP gehärtet sind und mit den zusätzlichen "Gimmicks" ausgestattet, die man für das endgültige Schärfen und den Start von Atomwaffen braucht. Gerüchtweise gibt es auch eine nukleare Zusammenarbeit zwischen Indien und Israel im Bereich Neutronen-Bombe. Israel hat wegen der räumlichen Nähe zu den arabischen Nachbarn halt immer stark auf die Neutronen-Bombe gesetzt, da man dann selbst weniger Fallout abbekommt. Für die Inder ist das wegen der langen Grenze mit Pakistan natürlich auch interessant.

Indien hat sicherlich die Quantität an Militär, die so ein Flächenstaat als Regionalmacht braucht. Und noch so einiges darüber hinaus. Und die Qualität wird wohl auch immer besser.

Ob von "uns" keine Gefahr mehr ausgeht? Sollte man hoffen, aber zündeln können wir ja trotzdem:
Am 24. Juni erklärte Stoltenberg, dass die NRF kurzfristig von 13.000 auf bis zu 40.000 Soldaten erweitert werden soll. Diese Einheiten würden im Ernstfall nachrücken, nachdem die Speerspitze Brückenköpfe gebildet hat. Außerdem kündigte er an, dass bald sechs weitere NATO-Außenposten in Estland, Lettland, Litauen, Polen, Bulgarien und Rumänien errichtet werden sollen, die Stoßtrupps mit etwa 40 Soldaten beherbergen werden. Der polnische Verteidigungsminister und Gastgeber des NATO-Spektakels Thomasz Siemoniak profiliert sich als Amerikas treuester Partner. „Die Ära des Friedens (…) ist vorbei“, erklärte er und begrüßte „die Erwägung der amerikanischen Regierung ausdrücklich (…), Panzer und schweres Gerät (…) in osteuropäischen NATO-Staaten zu stationieren“.

[...]

Einem Einsatz [...] stehen aber immer noch die Vorbehaltsrechte nationaler Parlamente entgegen: Im deutschen Fall muss der Bundestag bislang jedem Auslandseinsatz zustimmen. Solche Entscheidungsprozesse brauchen Zeit und sind bisweilen unberechenbar – ein inakzeptables Manko für die NATO-Planung, die Speerspitze in 48 Stunden an die Front zu schicken. Die Erfahrung während der Intervention in Libyen 2011 führte der NATO das Problem einer deutschen Abstinenz vor Augen. Um dem Hindernis nationaler Veto-Rechte zu begegnen und die „Interventionsfähigkeit“ einer multinationalen Verbundstruktur zu sichern, legte eine Kommission unter Ex-Verteidigungsminister Volker Rühe (CDU) und Walter Kolbow (SPD) Mitte Juni ihre Vorschläge zur Reform des sogenannten Parlamentsvorbehalts vor. Nach der Sommerpause soll der Bundestag darüber beraten.

Quelle: https://www.compact-online.de/panzerspr ... entziehen/
Derzeit wird gerade ein deutsches Panzerbatallion den Polen unterstellt. Im Gegenzug bekommen wir ein polnisches Bataillon. Bei den Holländern wird uns eine Luftmobile Brigade unterstellt und deutsche Fallschirmjäger kommen unter holländisches Kommando. Wenn der Parlamentsvorbehalt bei Auslandseinsätzen in Zukunft nur noch bei "Kampfeinsätzen" nötig ist, geht dann halt noch viel mehr. Dann ist es auch kein Problem mehr, deutsche "Ausbilder" (zum Eigenschutz natürlich bewaffnet) in die Ukraine zu schicken. Auch für so faxen wie die Patriot-Batterien in der Türkei braucht man den Bundestag dann nicht mehr zu fragen. Und im Zweifelsfall "befielt" die NATO halt einfach die Verlegung einer "multinationalen" Einheit und dann ist das halt höhere Gewalt und Bündnispflicht.

Oder: Alternativlos. :roll:
Grüße,

Toska
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