Am 17. März ging es los. Direktflug mit Lufthansa Frankfurt - Bogotá. Der Preis des Fluges lag mit 848 € Hin- und zurück inkl. sämtlicher Gebühren im normalen Bereich. Ich kann auch nur empfehlen, einen Direktflug zu nehmen. Als ich noch Student war habe ich um knapp 100 € zu sparen die Route Frankfurt - Paris - Caracas - Bogotá auf mich genommen. Nie wieder.
Hauptanliegen meiner Reise waren Freunde besuchen, entspannen, etwas Neues sehen und mich ein wenig auf den örtlichen Spirituosenmarkt umsehen. Dies ist jetzt tatsächlich nicht als Metapher gemeint, sondern wörtlich. Möchte mich etwas schlau machen was die Import- und Verkaufsbedingung alkoholischer Getränke hier in Kolumbien betrifft.
Der 11h20min Flugzeit hören sich zwar lange an, vergingen allerdings relativ schnell und der Flug war auch sehr angenehm. Das Gehemnis liegt in der richtigen Mischung zwischen Lesen, Schlafen und Film gucken.
Der kolumbianische Peso (COP) ist gerade mit 3400 COP / EUR für uns sehr günstig. Bei meinem letzten Besuch vor 2 Jahren war er bei ca. 2500 COP / EUR.
Für die Unterkünfte gibt es in Bogotá an sich wie in jeder anderen Stadt mehrere Möglichkeiten. Da sind zum einen unzählige Jugendherbergen, gerade im "Hipster" Viertel Candelaria, teilweise schon ab 5 € pro Nacht. Die andere Möglichkeit sind "normale" Hotels oder sog. Aparthotels, also im Prinzip eine richtige Wohnung mit Hotelservice, teilweise mit oder ohne Frühstück. Die Hotels und Aparthotels finden sich dann meist im nördlicheren Teil der Stadt.
Hatte ich mich in der Vergangenheit immer für letzteres entschieden habe ich diesmal die ersten Nächte im Hotel "Casa Dann Carlton" verbracht, u.a. weil es einges der wenigen Hotels in Bogotá ist, die einen Indoor Pool groß genug zum Schwimmen haben und ich somit etwas von meiner stressigen Arbeit entspannen kann
Rooftop-Pool, nebenan die Rooftop Bar:

Abenddämmerung in Bogotá:

Kann das Hotel nur weiterempfehlen. 5 Sterne für 70 € die Nacht. So habe ich knapp die erste Woche mit Chillen, Lesen, etwas Arbeiten und Abends Weggehen verbracht. Zum Weggehen eignen sich insbesondere 2 Stadtteile.
Das historische Städtchen Usaquén, welcher früher noch eine eigene Stadt bzw. Dorf war, mittlerweile aber von Bogotá umschlungen wurde. Hier gibt es schöne Bars, Restaurants und einen netten Platz im Kolonialstil.
Außerdem die Zona-T, an der Calle 82 gelegen. Hier gibt es alles was das Herz begehrt. Bars, Diskotheken, Kino, Restaurant, Einkaufszentrum. Mehr Auswahl als in Usaquén, jedoch mit weniger (Kolonial-)Stil.
Im Stadtzentrum, d.h. in der Nähe Plaza Simon Bolivar und Candelaria, kann man wohl auch ausgehen. Da es hier aber noch nichts ganz so sicher sein soll war ich dort Nachts noch nie unterwegs. Über die beiden oben genannten Stadtteile kann ich hingegen nichts Negatives berichten, außer vielleicht die europäischen Preise.
In Bogotá werden jeden Sonntag sämtliche Hauptverkehrsstraßen für Autos gesperrt und in sog. Ciclovias für Fahrradfahrer umgewandelt. Wer Bogotá also man erkunden möchte, sollte sich unbedingt an einem Sonntag ein Fahrrad ausleihen und dieses Angebot nutzen. Man ist nicht nur schneller als mit dem Auto (aufgrund fehlender S-Bahn oder U-Bahn ist Bogotá ein riesengroßes Verkehrschaos), sondern kann jederzeit anhalten, sich an den vielen Ständen einen frischen Saft einer tropischen Frucht gönnen oder auch eine kurze Runde Schach in einen der vielen sich am Straßenrand befindichen Zelte spielen ("Sport für den Kopf").
Fahrradverleihe scheinen leider noch nicht so etabliert, und so habe ich für 2 Tage ein für mich eigentlich zu kleinen Rad für 45.000 Pesos (ca. 13 €) gemietet:

Man sollte die Fahrt auch genießen und nicht unbedingt versuchen, neue Geschwindigkeitsrekorde aufzustellen. Zum einen lässt das die Masse an Fahrrädern gar nicht zu, zum anderen ist die Luft auf 2500 m nicht nur sehr dünn, sondern die Luftqualität aufgrund des Verkehrs auch nicht unbedingt die Beste im Land.
Hier ging es am Rande Bogotás auf 2900 m hinauf:

Da natürlich der Autoverkehr nicht total zum erliegen kommen kann, gibt es an vielen Kreuzungen Ampeln mit freiwilligen Helfern, die dann immer ein Band spannen sobald die Ampel rot wird:

Etwas außerhalb:

Abgesehen von den Sonntagen, kann man in Bogotá auch mittlerweile gut außerhalb der Straßen Fahrradfahren, da es viele und gut ausgebaute Fahrradwege gibt:

Wenn man die Stadt per Fahrrad erkundet, merkt man erst einmal, wie groß diese 8 mio. Einwohner Stadt ist. Wir haben eine relativ kleinen Zirkel gedreht, und sind bspw. nicht mal in die Nähe des Flughafens gekommen und haben 30 km zurückgelegt.
Bogotá hat touristisch nicht das Megaangebot. Kurz gefasst sind dies: Montserrate (Berg), Candelaria (Hip-Viertel mit bunden Häusern), Plaza Simon Bolivar, Goldmuseum, und außerhalb eine Salzkathedrale und die Kleinstadt Chia. Dieses mal haben wir einen Ausflug nach Chia gemacht, ca. 45 min nördlich von Bogotá. Die Stadt hat ein historisches Stadtzentrum und wird gerne besucht, auch kann man hier gut essen. Auf dem Weg dorthin finden sich typische Szenen wie sie sich in Bogotá abspielen. Dazu gehören auch irgendwelche "Künstler", die oft mehr schlecht als recht an Straßenkreuzungen jonglieren oder sonstige Sachen machen und danach um Geld bitten:

Altstadt von Chia mit Kirche:

Wenn man Bogotá mal als Tourist kennen lernen möchte, reichen 3-5 Tage vollkommen aus. Nichts desto trotz zieht mich die Stadt mit ihrem Chaos dorch immer wieder in ihren Bann und ich verbringe jedesmal eine tolle Zeit hier.
So, nach knapp einer Woche im kühlen Hauptstadtklima ging es dann nach Armenia zu Toska in die Eje Cafetero, die Kaffeezone Kolumbiens. Hinwärts bin ich mit der kolumbianischen Fluggesellschaft Avianca geflogen. Die sind Teil der Star Alliance und haben eine doch sehr moderne Flotte. Der Flug von Bogotá nach Armenia dauert keine 40 min Flugzeit, es Luftlinie keine 250 km entfernt liegt. Bezahlt habe ich 130.000 Pesos, also ca. 40 €.
Unterwegs fliegt man an zwei 4000ern vorbei, die noch etwas schneebedeckt sind:

Abends angekommen haben wir erstmal etwas Leckeres gegessen ("Casa Verde Campestre", sehr zu empfehlen).
Anschließend sollte es zu dem von mir am selben Tag reservierten Hotel gehen, welches mir Toska empfohlen hat. Was ich allerdings nicht beachtet hatte war, dass Osterwochenende war und Armenia ein sehr beliebtes Ausflugsziel ist...Das hieß im Endeffekt nach ca. 1 stündiger Suche, dass Toska bzw. Frau so nett waren und die Tochter ihr Zimmer für mich räumte
Nachdem wir uns etwas beschnüffelt und für sympathisch befunden hatten haben wir beschlossen, das Geld für ein Hotel lieber in gutes Essen und Alkohol zu investieren, so dass ich dann das Wochenende dort blieb.
Am Freitag ging es dann nach Buenavista, nachdem wir noch etwas zu Mittag gegessen hatten. Armenia hat viele schöne Restaurants, Karfreitag waren allerdings viele geschlossen, u.a. dieses hier:

Der größte Unterschied im Vergleich zu Bogotá war sofort die Temperatur. Trotz einer Höhe von ca. 1500 m ist Armenia schon sehr warm. Auf der ca. 45 min Fahrt nach Buenavista, eine kleine Stadt und gleichzeitig aufgrund der Sicht und Kaffeerestaurants beliebtes Ausflugsziel, kann man schonmal die atemberaubende Landschaft genießen, fährt an vielen Fincas vorbei, von denen man auch viele mieten kann, und passiert Autos, die gerade versuchen, einen neuen Guinness-Weltrekord aufzustellen:

In Buenavista sind wir dann zur "Haciendo San Alberto" und haben uns dort einen schönen Kaffee inkl. kleiner Vorführung genehmigt, nachdem wir vorher noch die Aussicht genossen haben.
Kaffepflanzen und im Hintergrund Buenavista, wie es auf einer Hügelkette liegt:

Toskalein und ich:

Toska, Frau und Kaffeezubereitungsgehilfin:

Leider war aufgrund des Feiertags sehr viel los, was dem Genuss jedoch nicht geschadet hat.
Auf dem Weg zurück nach Armenia dann wieder die Natur genießen.

Am nächsten Tag sind wir dann nach Manizales gefahren, knapp 100 km nördlich von Armenia und in ca. 2 Stunden zu erreichen.
Manizales ist Hauptstadt des Departamentos Caldas und hat mit Umgebung ca. 400.000 Einwohner. Da Toskas Frau dort aufgewachsen ist habe ich eine ausgezeichnete Führung aus erster Hand bekommen und wir haben die Stadt mit deutscher Effizienz und im Schnelldurchlauf angeschaut.
Die Fahrt dorthin war auch sehr schön und die Überlandstraßen entgegen meiner Erwartungen in einem sehr guten Zustand. Man hat auch sehr viele Fahrradfahrer gesehen. Unterwegs kamen wir dann an einer ausgebrannten Villa eines von Pablo Escobars Schergen vorbei.

Ich weiß leider nicht mehr, von wem. Vielleicht kannst Du das nochmal kurz schreiben, Michael.
Aufgrund des riskanten Überholmaneuver von Toska konnte ein Bus leider nicht mehr rechtzeitig ausweichen und kippte um:

Nein, Toska ist stets sehr ordentlich gefahren, der Bus lag bereits da
Der höchste Punkte Manizales' ist das Barrio Chipre, von welchem man eine schöne Sicht auf die Stadt hat. Hier findet man u.a. das Monument der Kolonisten, welches u.a. die Anstrengungen der ersten Kolonisten, die die Stadt gründeten, widerspiegeln soll.

Von dort ging es dann zum Plaza Bolivar (der Zentrale Platz jeder kolumbianischen Stadt heißt Plaza Bolivar) mit Besichtigung der Kathedrale

Von dort aus ging es dann zur Seilbahn, von der man aus nicht nur sehr gut die Stadt sehen kann sondern auch schneller als mit anderen Verkehrsmitteln von A nach B kommt.
Sicht aus der Seilbahn:

Ärmeres Viertel. Scheinbar typische Bauweise, man fängt oben an:

Nach dem Seilbahnausflug ging es dann in einen kleinen Park, von welchem man auch kleinere Wanderungen unternehmen konnte. Da ich mich etwas erkältet habe war ich leider nicht sonderlich fit und somit haben wir dann wie so oft einen leckeren Kaffee getrunken.

Von dort sind wir dann langsam aber sicher richtig Abendessen aufgebrochen, ein leckeres Restaurant welches auch gleichzeitig Hotel war in einer tollen, gepflegten Anlage.

Anschließend ging es zurück nach Armenia, wo wir dann alle relativ erschöpft eintrafen
Am letzten Tag (Ostersonntag) sind wir nach Salento gefahren, die Ausflugsstadt der Region schlechthin und älteste Stadt des Departamentos Quindío. Hier war schon Alexander von Humboldt und hat erstmal die Wachspalme katagolisiert, höchste Palme der Welt und Nationalbaum Kolumbiens.
Nicht nur die Stadt Salento ist einen Besuch wert, sondern auch die Region, die Wanderwege im Cocora Tal, welches berühmt für die Wachspalmen sind. Leider haben wir aus Zeitgründen bzw. auch weil ich so angeschlagen war darauf verzichtet und sind dann "nur" nach Salento.
Toska mit seinen 2 Mädels mit Blick in Cocora-Tal:

Blick auf Salento:

Plaza Bolivar Salentos:

Hier haben wir dann lecker gegessen:

Salento ist aufgrund des naheliegenden Flusses mit frischen Gebirgswasser berühmt für Forellen, die in jedem Restaurant angeboten werden.

So schnell ist ein Wochenende vergangen. Die Region hat wirklich einiges zu bieten und es gibt noch eine Menge, welches ich noch nicht gesehen habe, so dass ich unbedingt wiederkommen werde.
Vielen Dank an Toska und seiner Marcela für das tolle Wochenende, die Gastfreundschaft und die netten Unterhaltungen!
Zurück bin ich dann nicht geflogen, sondern mit dem Bus gefahren. Zum einen wollte ich gerne die Landschaft sehen, zum anderen waren die Flüge am Montag mit ca. 180 € ziemlich teuer. Somit habe ich dann für 50.000 Pesos, knapp 14 €, 8 Std. für 250 km in diesem Bus gesessen:

Die Fahrt war gut, wenn auch nicht super bequem. Die tollen Ausblicke haben dann aber alles entschädigt und ich habe die Entscheidung der Busfahrt auf keinem Fall bereut.

Das war auf ca. 3300 m. Von Armenia nach Bogotá passiert man einige Andenausläufer. So geht es erst auf ca. 3300 m bergauf, bevor es dann bis auf 600 m nach unten geht. Zum Schluss dann wieder auf die 2500 m Bogotás.
Die Straßen waren auch hier durchweg im sehr guten Zustand und meist war es entweder zweispurig oder die Straßen waren sehr breit:

Unterwegs gab es eine Polizeikontrolle, bei der alle Insassen aussteigen mussten. Die Ausweise aller Kolumbianer wurden eingesammelt und die Menschen versammelten sich an der Seite des Buses. Aus mir immernoch unerklärlichen Gründen hat mich der Polizist, als er meinen deutschen Pass gesehen hatte, als einziger hinter den Bus geführt. Mit seiner großen M4 um den Schultern war mir kurz mulmig, er hat sich allerdings nur kurz über Fußball unterhalten und mir problemlos meinen Pass zurückgegeben.
Ich war nun schon das 5. Mal in Kolumbien und haben bisher auch nie eine brenzlige Situation erlebt. Es wird auf jeden Fall auch noch ein 6. Mal geben.









