Zu der Seekabel-Attacke noch ein paar Hintergründe:
Zurückgehend auf Soviet-Zeiten hängen die Baltischen Staaten im BRELL-Stromnetz: Belarus, Russland, Estonia, Latvia und Litauen. Mit der Situation war man nach 1990 nie so ganz happy und hat dann eben mal nach anderen Anschlussmöglichkeiten geschaut. Es entstanden dann irgendwann die zwei Seekabel nach Finland und eine Anbindung nach Polen. Die Verbindung nach Finland hat kombiniert 1MW Maximaldurchsatz und die nun zerstörte EstLink 2 lieferte davon bis zu 650 MW maximal. Die Leitung aus Polen kann 1 MW. Die drei Baltischen Staaten hatten BRELL gekündigt sind dann ab Februar 2025 aus dem Russen-Netz raus.
Jetzt wo EstLink 2 "down" ist, wird es aber schon eng. Fällt die verbliebene Verbindung nach Finland auch noch aus ("Wait for it!"), gehen da die Lichter aus. Und da kann man eigentlich fest mit rechnen, dass diese verbleibenden Verbindung auch bald dran ist.
Quelle und mehr Infos hier.
Vor den Hintergrund auch die Reaktion der Finnen, die diesmal mit
voller Brachialgewalt rein sind. Das war keine Polizei, die den Frachter aufgebracht hat. Auch nicht die Küstenwache. Sondern das SWAT-Team "Karhuryhmä" ("the Bear team"). Die gehören nominal zum "Grenzschutz", sind aber ebenso wie der Rest vom Grenzschutz *eigentlich* eine militärische Spezialeinheit mit höchster Professionalität. Die sind dafür trainiert, mit SPETZNAZ und russischen Fallschirmjägern oder Marine-Infanterie den Boden aufzuwischen.
Bei den Finnen ist das so, dass nach dem Paris Peace Treaty from 1947 die Åland Islands "demilitarisiert" sind. Deswegen hat man einen
hochgradig militarisierten "Grenzschutz" aufgebaut, der nominell dort für Sicherheit sorgt und auch die 1300km Grenze zu Russland sichert. Im V-Fall wird der "Grenzschutz" sofort den regulären Streitkräften Finnlands unterstellt und fügt sich dann nahtlos mit seinen bestehenden Einheiten und Ausrüstung dort ein. Das ist eben keine "kasernierte Polizei", sondern an sich sind das Militär-Einheiten, die sich nur (noch) nicht so nennen dürfen.
Zurück zum Frachter "Eagle S": Nach internationalem Seerecht hatten die Finnen natürlich kein Recht, den Frachter zu stürmen und quasi in ihre eigenen Hoheitsgewässer "zu entführen", da das Schiff in internationalen Gewässern unterwegs war. Diplomatisch fängt man sich da Probleme mit dem Staat ein, wo der Pott registriert ist und ggf. mit dem Land des Eigners, wenn das ein anderes Land ist. Und das sind halt so Faxen, welche die Russen und Chinesen (aber auch andere) gerne ausnutzen. Kaum ein Land hat die Eier, den Tyrannen zu zeigen, was eine Harke ist und dass es SO nicht geht. Die Finnen jedoch schon und das kann man nur den Hut vor ziehen.
Daher auch witzig die Fragen und Antworten in der offiziellen Pressekonferenz der Finnen nach diesem "Akt der Piratierie":
Journalist: "Have you been in contact with the Russian authorities?"
Official: "No."
Journalist: "When are you going to be in touch?"
Official: "We are not."
Ganz klar: Harte Kante. Bis hier hin und nicht weiter. Ich plädiere ja für die Variante "Ups! Ein Torpedo!". So nach dem Motto: "Softwarefehler! Kann man nichts machen!"
