Blamable Bundespräsidenten: Vollpfosten in Amt und Würden

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cubi
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Blamable Bundespräsidenten: Vollpfosten in Amt und Würden

Beitrag von cubi » 05.02.2012, 18:04

Wunderbarer Rant von Deniz Yücel über unser höchstes Amt in Deutschland! :lol:
TAZ hat geschrieben:Bundespräsident Christian Wulff soll "das Amt beschädigt" haben. Dabei hat dieses Amt schon so manchen peinlichen Vorgänger ertragen.

Der Jasager

Theodor Heuss, als FDP-Mitglied gewählt, Bundespräsident von 1949 bis 1959: Wie alle Abgeordneten der Deutschen Staatspartei stimmte Heuss im März 1933 dem Ermächtigungsgesetz zu. "Ich wusste schon damals, dass ich dieses ,Ja' niemals würde aus meiner Lebensgeschichte auslöschen könne", notierte er später in seinen Memoiren. Aber so wichtig war das nicht. Denn: "Das Ermächtigungsgesetz hat für den praktischen Weitergang der nationalsozialistischen Politik keinerlei Bedeutung gehabt." ...

Der Depp

Heinrich Lübke, CDU, 1959 bis 1969: Ob Lübke in Liberia seine Gastgeber wirklich mit "liebe Neger" angeredet hat, ist nicht dokumentiert. Zuzutrauen aber war das dem früheren Bauernfunktionär allemal. Denn verbürgt sind zahlreiche andere aufschlussreiche Bemerkungen, etwa diese von einem Staatsbesuch 1966 in Madagaskar: "Die Leute müssen ja auch mal lernen, dass sie sauber werden." Doch so dumm dieser Spruch war, er wies eine Klarheit auf, die Lübke in seiner zweiten Amtszeit nur noch selten erreichte. ...

Der Ausrutscher

Gustav Heinemann, SPD, 1969 bis 1974: Ein Mann, der erklärtermaßen nicht den Staat, sondern seine Frau liebte und auch sonst durch nichts für das Amt qualifiziert war: Anders als seine Vorgänger hatte er keinen Führer ermächtigt und keine KZ-Baracken gebaut. Anders als seine drei Nachfolger (und als sein Gegenkandidat, der CDU-Politiker Gerhard Schröder, der prompt die 22 Stimmen der NPD bekam) hatte er weder Verantwortung in der NSDAP übernommen noch in der SA oder der Wehrmacht gedient. ...

Der Troubadour

Walter Scheel, FDP, 1974-1979: Als junger Mann war Scheel Mitglied der NSDAP und Offizier der Luftwaffe, als Außenminister wirkte er an der Ostpolitik mit und verpasste der FDP ein sozialliberales Programm (könnte heutzutage den Verfassungsschutz interessieren). Als Präsident machte er das, was der Parvenü "auf den Putz hauen" nennt: Er ließ seine Dienstvilla mit mondänen Accessoires aufhübschen, den Weinkeller mit Champagner auffüllen und hatte noch Jahre später die höchste Spesenrechnung aller Würdenträger a. D. ...

Der Wandersmann

Karl Carstens, CDU, 1979-1984: 1933 trat Carstens der SA und später der NSDAP bei. Später fiel der Rechtsprofessor als glühender Befürworter der Berufsverbote und als ebenso glühender Gegner der Oder-Neiße-Grenze auf. Oder indem er Heinrich Böll vorwarf, dieser habe "unter dem "Pseudonym Katharina Blüm" ein gewaltverherrlichendes Buch geschrieben. Strafrechtlich relevant war das nicht. Dass ein Gericht "erhebliche Anhaltspunkte" dafür erkannte, dass Carstens als Fraktionschef der CDU/CSU vor einem Untersuchungsausschuss (zu Verbindungen des Bundesnachrichtendienstes zum Waffenhandel) eine Falschaussage gemacht hatte, hingegen schon. ...

Der Saubermann

Richard von Weizsäcker, CDU, 1984-1994: Mitte der Sechziger gehörte Weizsäcker der Geschäftsleitung des Chemieunternehmens Boehringer Ingelheim an, wo seinen Biografen Werner Filmer und Ernst Schwan zufolge "keine wichtige Unternehmensentscheidung" ohne ihn fiel. Als bekannt wurde, dass die Firma Bestandteile des Entlaubungsmittels Agent Orange, an dessen Einsatz die Vietnamesen bis heute leiden, in die USA geliefert hatte, ließ Weizsäcker wissen, er habe davon nichts gewusst. Als Adjutant des Regimentkommandeurs war Weizsäcker am Überfall auf die Sowjetunion beteiligt. Vom Treiben der SS-Einsatzgruppen hinter der Front, so ließ er später wissen, habe er nichts gewusst. ...

Der Richter

Roman Herzog, CDU, 1994 bis 1999: Nazi war Herzog nicht, er ließ sich nur von welchen fördern: von NS-Marinerichter Hans Filbinger etwa, der ihn 1978 ins baden-württembergische Kabinett holte; oder seinem Doktorvater Theodor Maunz, der erst das "Judentum in der Rechtswissenschaft" bekämpfte, dann zum einflussreichen Grundgesetzkommentator aufstieg und bis zu seinem Tod 1993 anonym für die Nationalzeitung schrieb. ...

Der Frömmler

Johannes Rau, SPD, 1999-2004: Kein anderer späterer Bundespräsident fühlte sich bereits als junger Mann derart zur Schulmeisterei und also zum Amte berufen wie Rau. Als Redakteur evangelischer Magazine belehrte er junge Leute über den gottgefälligen Lebenswandel. Als Bundespräsident eilte ihm der Ruf voraus, er halte große Reden und erzähle famose Witze. Diesen etwa: "Karl-Otto, warum warst du nicht auf der letzten Ortsvereinsversammlung?" - "Wenn ich gewusst hätte, dass es die letzte ist, wäre ich gekommen." ...

Der Banker

Horst Köhler, CDU, 2004-2010: Als Staatssekretär war Köhler daran beteiligt, im Zuge der Wiedervereinigung die Sozialkassen zu ruinieren, später gab er als IWF-Direktor den darbenden Argentiniern den Rest. Als Bundespräsident aber wollte er mehr sein als ein Sparkassenfilialleiter, weshalb er sich fatalerweise seinen Vorgänger statt zur Warnung zum Vorbild nahm: "Ich will den Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft sehen wie einen Baum mit Wurzeln an beiden Enden des Stammes. Die Wurzeln des Vereins sind in Hamburg verankert. Aber der Verein hat es geschafft, auch in Afrika Wurzeln zu schlagen." ...

Der Wulff

Christian Wulff, CDU, seit 2010: Ja, und dann der.


ausführlich in der TAZ

Warum braucht es eigentlich dieses Amt noch? Zur verheerenden Bankenkrise hat weder 'Der Banker' noch 'Der Wulff' den Bürgern auch nur irgendetwas zu sagen gehabt! Marionetten!
cu cubi
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"Wohltätigkeit ist das Ersaufen des Rechts im Mistloch der Gnade!" Pestalotzi

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