@Rossi: Alles super Punkte. Danke dafür.
Herr Rossi hat geschrieben:
Und genau das halte ich für Müll. Wo hat das denn bitte schon mal geklappt? Die USA und die südvietnamesische Armee? Irakische Armee? Die Armee in Afghanistan? Rebellen in Afghanistan davor? Wo ist einem dieser Ansatz denn bitte noch nicht um die Ohren geflogen? Weshalb immer wieder die gleichen Fehler aufs Neue machen?
Man könnte da Israel anführen, auch wenn es dort immer mal wieder geknallt hat. Die ersten Jahre hat die keiner offiziell mit Waffen beliefert. Selbst die USA hatten ein de-fakto Embargo laufen. Was an Waffen ins Land kam, war von "Schrotthändlern" im Ausland abgestaubt worden, oder lieft per "Cash & Carry" über dunkle Kanäle. Da wurden sogar Rommels und Monty's alte Artillerie in Nordafrika ausgegraben und heimlich nach Israel verschifft.
Ich bin durchaus dafür, dass man Völker bei ihrem Unabhängigkeitsbestreben oder im Kampf gegen Unterdrücker oder Mörder-Banden unterstützen sollte. Bei dem konkreten Fall (Kurden) können die von mir aus mit Waffen zugeschmissen werden, solange kein einziger deutscher Soldat dafür den Hintern in die Schusslinie halten muss. Der klare Unterschied zu Afghanistan ist für mich: Die Kurden wollen kämpfen und wenn man ihnen die Mittel gibt, werden die mit großer Wahrscheinlichkeit auch was daraus machen. Die Afghanen dagegen? Wenn morgen alle abziehen, kämpfen die auch. Aber untereinander - wie eh und je. Und am Ende ist das Land wieder ein Flickenteppich unter der Kontrolle diverser Warlords. Dann wird man in DE Resümee ziehen und feststellen: 13 Jahre Engagement? Für die Katz.
Da sollte man sich dann auch keine falsche Doppelmoral leisten. Waffen wird es immer geben und wenn wir nicht liefern, dann halt Frankreich. Oder USA. Oder Russland. Oder China. Ansonsten setzt man sich auch immer wieder so komischen Diskussionen aus, die nichts bringen. Derzeit wird Heckler & Koch mal wieder vor den Kadi gezogen, weil sie G36 an Kolumbien verkauft haben, obwohl der Bundesrat das nicht genehmigt hatte. Auf der anderen Seite ist Kolumbien mittlerweile assoziierter NATO-Partner und bekommt sogar von Blohm & Voss (wenn ich mich recht entsinne) die Marine modernisiert. Was stellt man sich dann wegen ein paar Plastik-Flinten an? Herrlich inkonsequent.
Herr Rossi hat geschrieben:
Es ist aber die einzig ehrliche Antwort, wenn man vorgibt Menschen helfen zu wollen. Und wie du richtig anmerkst: Viele würden ihr Land dennoch nicht verlassen und das ist ja auch ok und genau deswegen wird man auch niemals auf eine Zahl von Milliarden Asylsuchenden kommen, die end_aka_meli angemahnt hat. Und wer bleibt, der bleibt eben... soll er kämpfen, sterben, wie auch immer. Das nennt sich Selbstbestimmung. Mit Waffen irgendwo eingreifen potenziert aber -wenn man in der Geschichte zurück blickt- fast immer nur das Leid ins Unermessliche. Deutschland und Japan im zweiten Weltkrieg sind leider die absolut seltene Ausnahme, die das Gegenteil bezeugen können.
Das sehe ich leider ein bisschen anders. Asylpolitik ist lediglich ein Heftpflaster. Es löst keine Probleme, sondern erschafft neue, oder schiebt die Probleme auf die lange Bank. Ich unterscheide da explizit zwischen Asyl und Migration (Ein- & Auswanderung). Asylanten liegen dem Staat auf der Tasche. Sie dürfen nicht arbeiten, müssen aber versorgt werden. Aus humanitären Gründen ist das sicherlich nötig und gut, dass es das gibt. Aber was dann? Warten, bis sich die Probleme von alleine lösen?
Japan und Deutschland in WW2? Da ging es um "Lebensraum", Unterwerfung, Rohstoffe ... imperialistischer und spätkolonialistischer Scheißdreck halt. Die "Weltgemeinschaft" hat dann halt mit Waffengewalt eingegriffen. Wenn du das gut findest, müsstest du an sich auch befürworten, dass die Welt jetzt gegen ISIS mobilisiert. Denn die haben ähnliche Pläne und gehen in den eroberten Gebieten ebenso unmenschlich vor, wie die Japaner in Nanking, oder deutsche Truppen im Warschauer Ghetto (und anderswo). Unter den Gesichtspunkten müssten wir nicht nur Waffen an die Kurden (und den Irak) liefern, sondern auch Bodentruppen schicken.
Aber das wären jetzt Spitzfindigkeiten. Nein, ich verstehe deine Zurückhaltung. So ganz wohl ist mir bei dem Thema ja auch nicht. Aber es dürfte klar sein, dass nichts tun hier auch keine Lösung ist und man sich damit auch keine Freunde macht.
Herr Rossi hat geschrieben:
Das ist ja genau das Perverse. Wir bringen uns in die Schusslinie, obwohl wir da momentan gar nicht drinstehen und das nur wegen dieser ganzen USA-Arschkriecherei, die passenderweise von der Bevölkerung noch nicht mal unterstützt wird. Wobei das Volk kann ich dafür widerum auch nicht bedauern... die wählen die Abwahl ihrer Mitbestimmung ja eh jedes Mal wieder aufs neue. :P
Leider wahr. Was auch seltsam ist: Die Franzosen hatten spätkolonialen "Trouble" in Mali und (obwohl uns das einen feuchten Kehricht angeht) hat die Bundesregierung den Franzosen sofort militärisch und logistisch unter die Arme gegriffen. Zumindest so lange, bis man uns wegen der Transalls ausgelacht hat und sagte "Nein, danke!"
Beim Thema ISIS, Kurden und Irak kommt aber nicht der Ansatz einer europäischen Zusammenarbeit zustande. Nichts, Null, nada!
Die Engländer schicken gerade Tornado-Kampfjets da runter. Die Franzosen machen nichts, die Holländer bauen gerade ihre mobile Eingreiftruppe ab und könnten nicht (selbst wenn sie wollten) und der Rest der EU und der NATO-Länder in der EU schaut (wie Polen) ängstlich Richtung Russland, oder düddelt desinteressiert vor sich hin. Die UN kann man vergessen. Über die UN wird nie wieder irgend ein gewalttätiger Konflikt beigelegt werden. Dazu bräuchte es in Kernfragen Einigkeit zwischen den Nationen mit Veto-Recht und das wird es vermutlich in dieser Generation nie wieder geben. Obwohl sowohl USA, China als auch Russland allesamt ein Islamisten-Problem haben. Nur halt mit unterschiedlichen Gruppen der Moslems, die zudem von der CIA (im Falle Russlands und Chinas) unterstützt werden. Da ist es dann leicht zu sagen: Eure Scheiß-Rebellen? Euer Problem! Wird also nichts werden.
Herr Rossi hat geschrieben:Praktisch stehen wir damit wieder auf dem Stand von vor dem zweiten Weltkrieg....
Leider wahr. Aber solange die USA weiterhin Weltmacht-Träume hat und deren Falschgeld-Gebäude durch militärische Drohungen und Erpressungen am Leben erhalten wird, wird sich daran auch nichts ändern.